„Das ist ja, das ist mir ja ganz neu . . . Und für morgen? Für diesen Schreinermeister hast du also alles beisammen?“
„Hab ich. Bis auf die neue Zeugin . . . Ich muß schnell heim. Hab Hunger. Guten Appetit.“
Die Menge flutete ausweichend um die beiden herum, machte den gekalkten Seitengang schwarz.
Der Verteidiger hatte keinen Appetit.
Er war in der Zelle beim Dichter, dessen Suppe aus verkochtem Brot, mit einer matten Haut überzogen, kalt geworden auf dem Klapptisch stand.
Der Dichter dachte darüber nach, weshalb er nicht das leiseste Verhältnis mehr zu seiner Mutter empfand. Auch sich selbst war er so gleichgültig geworden, daß er nur noch ein gedankliches Interesse daran hatte, sich diesen Zustand unkörperlicher Ruhe zu erklären. Es war ihm, als trenne ihn ein ungeheurer Luftzwischenraum von seinen bisherigen Gefühlen und der Mutter. Er lehnte reglos an der Fensterwand.
Der Verteidiger hatte die ganze Zelle für sich, lief schnell auf und ab. „Mein Rat ist . . . reden Sie nicht mehr von diesen Dingen da, von Kindern und so weiter. Das ärgert uns alle nur. Wahrhaftig, mich auch. Sie sagen: irgendwo auf der Welt liegt eine verweste Leiche in einem Hohlweg und Ameisen . . . Nun, und wenn schon?“ Er blieb stehen. „Nützt Ihnen das was? Nein . . . Weil kein Mensch mit einer lachenden Leiche was anfangen kann.“ Und lief weiter.
Der Dichter redete nichts, hob ein Notizzettelchen auf, das dem Verteidiger aus der Tasche gefallen war, und reichte es ihm.
„Danke.“ Er stopfte es in die Tasche zu den andern, holte noch einmal eine Faust voll Notizen hervor und stieß sie nervös wieder in die Tasche. „. . . Europäisches Geschwür! Wahnsinn! und was noch alles! Kranke, tückische Europäer, die sich zerfleischen . . . Nun und die Chinesen?“
Den Kopf schulterwärts geneigt, lauschte er bei der Tür, trat zum Dichter. „Wenn Sie eingestehen, daß Sie Ihrer Armut . . . dieses dummen Hundertmarkscheins wegen den Lehrer getötet haben . . . vielleicht, vielleicht kann Sie das retten, ich meine, vor dem Äußersten . . . Armut, Not, Elend und so weiter, arbeitslos. Lassen Sie mich nur machen!“