Du mußt es tragen
Wie alle.
Möge die gute Besitzerin des Gartens
Meinem Kind
Durch die Stäbe
Eine Hand voll Pflaumen reichen!“
Noch eine Weile blieb es still im Saal. Der Verteidiger sah erstaunt auf, öffnete den Mund, schloß ihn wieder. „Aber ist denn das nicht schön?“
Der Staatsanwalt ging bei seiner Entgegnung auf ihn nicht ein, hob noch einmal hervor, daß der Dichter der unliebsamen Zeugen wegen nach Berlin zurückgefahren sei, gleich in der folgenden Nacht wieder in die Heimatstadt. „Ungesehen schlich er diesmal durch die noch dunklen Gassen zum Lehrerhaus . . . Bei der ausgezeichneten Intelligenz des Angeklagten, der sogar durch seine phantastisch-theoretischen Abschweifungen einen dünnen Faden Logik ziehen konnte, kann dieses Vorgehen nur als planvolle Überlegung gedeutet werden. Darüber, daß der Angeklagte seinen Lehrer, dessen ganzes Leben wirklich nichts als Mühe und Arbeit war, deshalb ermordete, weil dieser ihm vor zweiundzwanzig Jahren ein Glas Milch verweigert hat, will ich wirklich nicht sprechen.“ Er sah mit einem ruhigen Blick an der nickenden Geschworenenreihe entlang und schloß:
„Mit ausschlaggebend für Ihren gerechten Wahrspruch muß das scharf hervortretende Motiv sein, daß der Angeklagte seinen alten Lehrer, der ihn fürs Leben vorbereitete, wegen einer Geldsumme, wegen eines Hundertmarkscheines ermordet hat.“
Er glaubt es nicht und sagt es doch, dachte der Dichter.