„Ich sage es aus meiner tiefsten Überzeugung heraus . . . er hat es nicht wegen dieses dummen Hundertmarkscheins getan!“ rief der Verteidiger heftig.

‚Und der glaubt das nicht und sagt es doch.‘

Der Vorsitzende wippte sich nach vorn, schlug die Aktenmappe zu, sah den Dichter an. „Wollen Sie noch etwas sagen . . .? Wenn Sie noch etwas sagen wollen . . .“

An Stelle des Dichters schien ein fremder Mann zu sprechen. Sein Gesicht war alt und klar. „Wenn ich noch von mir und im Sinne des Staatsanwaltes sprechen wollte, würde ich sagen: er schiebt mir ein falsches Motiv unter. Ich weiß aber, daß es ein Motiv in diesem Sinne gar nicht gibt. Denn für den Menschen besteht ein Motiv nicht so wie für den Hund, der eine Wurst stiehlt, weil er Hunger hat; sondern für ihn ist das Motiv — der Impuls — ein Glied der eisernen Ursachenkette seines ganzen Lebens . . . Deshalb ist nur allein derjenige gerecht, der nicht nach den an der Oberfläche liegenden Motiven urteilt, sondern die Ursachen zu den Motiven sucht und dann verurteilt . . . wenn er es dann noch kann.“

Der Vorsitzende sagte gütig: „Sehen Sie, es liegt nicht in Ihrem Interesse, jetzt noch so ins Allgemeine abzuschweifen . . . Sie sollten nur an sich denken.“

„Für mich habe ich kein Interesse mehr“, sagte der Dichter, mit aus weiter Ferne kommender, vom Wind gereinigter Stimme. „Für mich halte ich meine Verteidigungsrede nicht.“

Die Sätze folgten einander pausenlos und immer schneller.

„Wie denn! Andere zu verteidigen, haben Sie keinen Grund.“

„Dieser Meinung bin ich nicht.“

„Das bleibt Ihnen überlassen. Aber Abschweifungen möchte ich Ihnen nicht erlauben.“