„Was Sie so nennen, ist kein Abschweifen. Ich habe noch etwas zu sagen.“
„Nun?“
„Ich sage, daß allen Menschen die Ursachen des Verbrechens ins Gehirn geschleudert werden, in einem Alter, in dem sie sich noch nicht dagegen wehren können, solange sie Kinder und einer eigenen gedanklichen Kritik noch nicht fähig sind . . . So werden die Menschen schuldig, ohne schuldig zu sein.“
„Alle Menschen sind sich doch aber darüber einig, daß die Kindheit die schönste Zeit ihres Lebens war“, sagte der vollblütige Geschworene.
Der Vorsitzende: „Ich kann Sie wirklich nicht mehr in dieser Weise weitersprechen lassen.“
Und leidenschaftlich der Dichter: „Wo soll ich denn die mit meinem Leben erkaufte Einsicht noch äußern, wenn nicht hier in diesem Saale?“ Seine Ruhe war Erregung gewichen.
Ein von Mann zu Mann weitergegebener Blick halben Zugestehens ließ den Vorsitzenden sich noch einmal zurücklehnen.
Und während hinten die Zeitungsberichterstatter stenographierten für die wartenden Schnellpressen, sprach der Dichter:
„Die Erlebnisse — die ersten Ursachen zu späteren Verbrechen — erscheinen nur den Erwachsenen klein. Das Kind empfindet sie riesenhaft groß, wird furchtbar getroffen und erschüttert. Denn sein ihm angeborener, unbedingter Glaube an das Leben . . ., seine Naivität bekommt die erste Wunde. Das macht das Kind unsicher und empfänglich für neue Verbrechensursachen, an denen es, noch unverwundet, vielleicht vorbeigegangen wäre . . . Ich habe das an mir erfahren.“
Immer noch freundlich, bemerkte der Vorsitzende, hier sei doch nicht von Kindern die Rede.