Ohne daß er es rügte, verstärkte sich das Geräusch der unaufmerksam gewordenen Zuschauer. Ein rotbäckiger junger Mann, der neben der Frau des Staatsanwaltes in der ersten Bankreihe saß, antwortete seinem Nachbar: „Nein, in die Kreissäge bin ich gekommen. Drei Finger hats mir weggerissen . . . mitsamt dem Daumen“, und zeigte seine verbundene Hand. Sie roch stark nach Karbol.

„Ein schönes Unglück!“

„Im Gegenteil, ich bin froh . . . Jetzt bekomme ich, solange ich lebe, drei Mark monatlich Unfallversicherung.“

„Und die Hand?“

„. . . Aber alle die Unglücklichen, welche infolge größerer Empfindsamkeit, Empfänglichkeit und übergroßer Armut tiefer infiziert sind und vom Schicksal keine heilenden Erlebnisse geschenkt bekommen haben, werden als willenlose Werkzeuge der eigenwilligen Ursachen zum Bösen . . . dem Leben ausgeliefert. Da müssen sie nun für Handlungen einstehen, die sie gar nicht selbst tun. Denn der Mensch ist nur der Hammer, die Ursache aber die Faust, die den Hammer schwingt . . . und ihn manchmal auf den Schädel eines Nebenmenschen niedersausen läßt.“

Gellend rief er: „Fast alle Verbrechen werden von der falschen Erziehung, der verlogenen Moral, den unsittlichen sozialen Verhältnissen verursacht. Alle Seelen sind verwundet. Die ganze Welt riecht nach Karbol! . . . Man muß daran arbeiten, daß die Ursachen der Verbrechen beseitigt werden; denn sonst wird weiter eingesperrt, geköpft, noch in hunderttausend Jahren.“ Der Satz blieb in der Luft stehen. Alle lasen ihn.

Und der Dichter fragte in maßlosem Staunen: „Sind denn die Menschen dazu da?“

Geschworene schüttelten begriffsstutzig den Kopf. Der Vorsitzende legte seine Uhr entschlossen vor sich hin.

Der Dichter sagte: „Ich kenne einen Irrsinnigen, der reist seit Jahren in der ganzen Welt umher — nach Odessa, Rom — und sucht sich selbst. Den haben die Ursachen so in der Gewalt, daß er sich — sein wirkliches Wesen — ganz verloren hat . . . Jetzt sucht er sich selbst, sein Leben lang. Das gilt für uns alle. Keiner ist, wie er ist . . . Einem verderbenbringenden Wasserwirbel, trichterförmig, riesengroß, gleichen die sozialen Verhältnisse. Oben fahren die Repräsentanten, die Stützen der Gesellschaft im großen Kreise geschützt und gleichmütig langsam die Bahn ihres Lebens ab.“

„In Klubsesseln“, ertönte es von ganz hinten aus dem Zuschauerraum.