Sie können sich rühmen etwas Wunderbares, ein grassirendes Wunder gesehen zu haben! Das war ein Patentirter! eine neue Art Reisender, der „in Gebeten“ und verwandten Artikeln macht, nach dem Kunstausdrucke; kurz der früher abgesetzte, jetzt scheu-belobte Pastor mit seinem Bet-Jungen.
Aber, mein Gott, sprach meine rechtschaffene Mutter, würden Sie denn Luthern einstecken oder verbrennen wollen, wenn Er heute umherzöge und auch zu Ihnen käme, und Sie Macht hätten?
Die Niemand mehr hat! versetzte der Pastor. Aber, erlauben Sie, es ist ein großer Unterschied zwischen den Zeiten. Wie nützlich, zum Beispiel, war nicht die Sündfluth zu ihrer Zeit! Aber was soll uns Noah jetzt mit seinem Kasten voll Thiere, in welchem, laut Oken und ausgerechneter Maaßen, nicht der zwanzigste Theil der Ehepaare aller ersaufbaren bekannten lieben Thiere Platz gehabt hätten. Aber das ist ja eben das Wunder! so gut wie die 11,000 Jungfrauen nicht in ihren Paar Schiffchen Platz gehabt hätten. Aber das schadet nichts: das ist eben das Wunder! sonst wäre es ja keins, und Wunder müssen ja sein! Die sind besser als die ganze Welt; sie bereichern sie und machen die Welt und den Menschen erst vollkommen. Verzeihen Sie den Abstecher in die aschgraue Unmöglichkeit, in das Eldorado der Gläubigen. Himmel, was gäben wir alle darum, wenn jetzt wieder ein Luther käme! der alle weitere Offenbarung des Geistes dem Volke gestattet. Und er kommt gewiß und sein Melanchton dazu. Aber die ernsthaftesten Ursachen sind oft nicht ohne die spaßhaftesten Folgen, und die lächerlichsten Wirkungen nicht ohne die traurigsten Ursachen — der eilende schuhmacher-blasse und doch kochende Mann will gewiß mit seinem Betjungen ein Wunder thun in meiner Kirche; denn uns handwerkmäßigen Pastoren pfuschert, bei auch geistlicher Gewerbefreiheit, jeder ins Handwerk; es ist also gewiß in Ostfrei ein Unglück geschehen! Feuer, da wir keins sehen, ist es nicht! zu Hause will ich Ihnen eine kleine Schrift mittheilen: „Das Popenland“, woraus ein Blinder sehen kann, wie gräßlich sich die Herren die eigenen Hände binden, welche ihre Leute suchen unter das Joch der Popen aller Art zu bringen. Denn sie selbst am meisten und die Leute brauchen zum künftigen Leben auf dieser Welt die freie Wissenschaft. Nicht zurück! sondern noch klüger und noch besser! das wahrhaft aufgeklärte Volk ist das treuste! Vom Glück und dem Recht ein Mensch zu sein, gar nicht zu reden.
Man hatte mich in Amerika theils bedauert, theils ausgelacht: daß ich nach Europa wolle, nach Deutschland. Aber ich freute mich im Herzen meines unverwüstlichen Vaterlandes voll herrlicher Männer, groß und stark wie Saamenbäume, und über das frische kräftige junge Gehege voll singender Vögel!
Am Ufer hörten wir nun wirklich sogleich ein verworrenes Geräusch. Rechts, aber weit ab von dem Wege zum Schlosse des Herrn von Sangallo standen die bunten Kirchleute, Männer und Weiber und Kinder, die vor uns über den See nach Hause gefahren, noch ihre Bücher unter dem Arm, und sahen durch den hohen lichtblauen Gitterzaun in den herrschaftlichen Garten. Es fing an zu tröpfeln. Ich eilte mit meiner rechtschaffenen Mutter und Pastors nach dem Schlosse, in welches ich voraus meinen goldbetressten Jäger zur Meldung sandte. Wir eilten nach. Kein Jäger kam zurück. Wir traten in die Halle. Niemand da. Alle Thüren offen. Auch die Thür nach dem Garten. Dort sah ich zwischen großen Linden um ein erhöhtes abgeblühtes Hyazinthen-Quartier viele Menschen stehen. Ich hatte die erste Visite im Kopfe, was mir verbot gegen den Anstand zu handeln, ob ich gleich wie die Andern vor Ungeduld der Neugier brannte und vor Furcht eines Ungeheuern mich fröstelte. Da stürmte der Chirurgus Salomon in das Haus um hindurch zu eilen.
Ich vertrat ihm den Weg und fragte: Was ist?
„Das fragt sich erst!“ antwortete er eben so hastig.