Ein Verstummen erfolgte, das tausend Reden werth war. Einige riethen dann, es müsse ein Säbel gemeint sein, oder der Dolch. Der Pastor meinte: Der Baronet hat meine Zeugnisse. Sollen wir uns auch noch Atteste von Bekehrten geben lassen? — Das kleine Mädchen war unbekehrbar fest, und wer kann Sterbende peinigen! Leben wir wirklich in König Kreons Tagen?
Darauf wurden Gesundheiten in Strömen getrunken; die edelsten Trinksprüche ausgebracht, selbst dem Revenant, der sich als Angeber angab; und die Amphibie, die ein Engel und ein redlicher Schuft war, trank seelenfroh mit. Zuletzt tranken alle uns, dem Brautpaare, zu: Auf glücklichere Kinder, in einer vernünftigen, krieglosen Zeit!
Nach aufgehobener Hochzeittafel blieb ich mit meiner lieben Jungefrau allein auf dem Altan des Saales. Unter uns im Garten strausirten und sangen die Gäste. Und nur einzelne Worte von Diesem und Jenem drangen zu uns verständlich herauf. Jetzt vernahmen wir: „Sorgen wir Alle, die wahre Liebe wieder aufzuwecken, damit wieder selige Paare werden! Dazu verlangt es ein ganz neues Vaterland im alten, das vielleicht die Industrie mit der Vernunft möglich machen wird.“
Wie glücklich waren wir schon vor Tausenden! Wir hatten uns!
„Elend sehen, ist auch ein Elend, und vielleicht das größte, des Großerherrenelend, oder der guten Seelen.“ Hörten wir dann wieder. Verloren ist der, wer Ketten braucht: da giebt es die Adelskette. Aber der unermeßlich reiche, weil unzählige, gelernte und gelehrte und reiche Bürgerstand braucht keine Kette. Die reichen Bürger-Väter denken so patriotisch, ihre reichen gebildeten Töchter nicht mehr, nach dem classisch gewordenen Ausdruck: als Dung fortfahren und dann doch verachtet, tausend Thränen über allerhand Zurücksetzungen vergießen zu lassen. Der Bürgerstand braucht sein Geld; der Bürgerstand kann das Meiste, selbst große Dinge ins Werk setzen durch Vereinigung. Der Bürgerstand nur erhält die Literatur und die Literaten, die Wissenschaften Kunst und Künstler. Das sehen nun alle ein; wenn die Anderen, ihrem Stande gemäß zu leben, erschöpft, erstarken sie durch Fleiß, Arbeit, Kenntniß und Mäßigung. Und der Bürgerstand ist der durch alle ausgezeichneten Köpfe, in allem Volk immer sich verjüngende, bei Ehren haltende Stand. Frei und geachtet wie einer, dürfen alle aus dem zahllosen Bauernstande ihm sich anschließen. Darum muß die allergrößte Zahl des Volkes, der Bauerstand wohlerzogen, wohlunterrichtet werden. Bibel und Fibel langen nicht aus zum Leben. Die Diatheke ist erhaben über Wissenschaft, Kunst und Gewerbe, ohne welche doch das Land verkümmerte! Kein Weisheitsspruch lehrt nur einen Topf drehen; durch Beten fliegen die Steine nicht zu einem Hause zusammen. Zum Leben gehört alle Wissenschaft und Kunst. Deswegen wird ohnfehlbar Jeder verworfen, der gerade das Volk nichts lernen zu lassen, so wahrhaft-gottlos, so redlich verwirrt wäre. Aber einen solchen Menschen kann es nicht länger geben, als bis er die Hörner herausstreckt, und Ein Schrei der Entrüstung im ganze Lande ihn verschwinden heißt.
Die getäuschten Bräutigamme bedauerten dann sich selbst darum, daß Ein Unsinniger jetzt einem edlen Adligen unmöglich mache: seine Schaar Töchter sogar an brave Bürgerliche zu verheirathen; wodurch sie durch schöne gute reiche Weiber von der Galeere der Geduld, ja der Noth erlöst worden wären. Und nicht lange, so sangen sie im Chor ein Lied, dessen ersten Vers wir deutlich vernahmen:
Vier Stimmen:
Heut stift ich Euch den allerheil’gen Orden:
Zum trocknen Brot!
Wir sind nur stark, wir sind nur frei geworden