Der junge Ritter, der Heinrich von Savern hieß, begleitete seinen frühern Reisegenossen Raimund in sein kleines Stübchen bei ärmlichen Leuten, in deren eigener Stube gegenüber zugleich Irmengard und Gaiette wohnten, denen mit einem querüber gezogenen Bindfaden in der Ecke ein Stübchen im Stübchen abgegrenzt war. Raimund vertraute ihm dort auch sein Geheimniß, daß die zur Hurd Verurtheilten nach Rom geliefert seien; daß er die von ihnen einzuhaltende Straße wisse; die Zahl ihrer Begleiter — nur zwei —; die Farbe ihrer Maulthiere; die Woche, in der sie an einem ihm genannten Orte in Sänften mit schwarzen Kreuzen und Fähnlein vorüberziehen würden; und daß er sich schon immer mit zuverlässigen Männern versehen und bereit halte, die Unglücklichen aufzuheben und dann weit vom Wege ab an einen sichern Ort zu bringen und zu verbergen. Und in einer Woche ginge die Woche an, sich seitwärts in Wald oder Schlünden wo in Hinterhalt zu legen. Bei dem langsamen beschwerlichen Ueberklettern des Kinderkreuzzugs über die Alpen und den noch weiten Weg durch die Lombardei bis Genua, hoffte er noch vor ihm am Meere einzutreffen, um dann wieder ihrer Irmengard weiter beizustehen in der Raserei unter offenem Himmel, dem Tagwandeln so vieler mond- oder kreuzsüchtiger armer Kranken, welche Noth und Tod erst bei ihren Namen rufen müsse und werde, um entsetzt und beschämt zu erwachen und zu sehen, „wo sie wären“. Aber wohin, frug er, rathet Ihr mir, Savern, unsere Frederune mit ihrem, ich glaube „Salomon“, zu bringen?

Und Savern sprach: Zu meinen Aeltern nach Genf! Sie haben über den See weg, und dann noch hinter Bevay, jenseit der Berge, eine kleine Meierei, die außer allen Wegen liegt.

Raimund konnte ihm nur mit Freuden dafür danken, und Savern schrieb ihm in Hast einen Brief an die Seinen, und bat ihn, ihnen von sich zu erzählen, und daß er hoffe, in zwölf Wochen zurück zu sein nach Genua.

Jetzt kam Gaiette, die den Fremden hatte kommen sehen, mit ihrer Zither herüber, und Raimund sagte zu ihr in froher Stimmung, ja im Scherz, der widerwillig auch zu Zeiten den Unglücklichen befällt: Siehe, Gaiette, da ist ein Herr, der fährt mit Engelsflügeln nach dem Gelobten Lande, oder dicht daneben, der nimmt dich geschwind wie der Wind mit.

Also auf, fort noch die Nacht! sprach Savern zu ihr und ergriff ihre Hand. Schöne Pagenkleider für dich sind geschwind in der Stadt noch zu haben. Ich habe ein feines, kleines, rehfarbenes corsisches Pferdchen für dich. Dort bist du dem Sultan Amalrich von Jerusalem selbst nicht zu schlecht, ja ein Schatz; hier bleibst du ungekauft, als von einem Schneider, Schuster oder Tuchknappen; denn du hast kein Geld, dir einen bessern Mann zu kaufen! Also!

Sie ließ ihm die Hand und war nur roth geworden. Und mit bittern Gefühlen im Innern frug er sie: Kannst du Zither spielen?

Und das morgenlandsüchtige Mädchen rauschte ihm was in den Saiten.

Kannst du singen?

Und das gute Mädchen sang, daß ihr die Thränen in die Augen traten.

Kannst du Türkisch reden?