Da war es, als ob Jemand von draußen mit dem Kopfe gegen die Thür stoße. Raimund that sie auf, einen Leuchter in der Hand Da sprang eine Gestalt wie draußen von einem Ungeheuer verfolgt auf die Schwelle, und da stand sie wieder erschrocken wie vor der himmlischen Heimlichkeit darin. Raimund aber ließ vor Erstaunen und Entzücken den Leuchter fallen. Er hatte die schlank aufgeschossene Gestalt gesehen: ein weißes Tuch um den Kopf; ihr Gesicht hager und todtenblaß; die Augen glanzlos und doch rollend; die Arme ausgestreckt und zitternd, und es ging ihm wie dem Sänger, der das Lied gesungen:

Dich wiedersehen . . . wieder dich sehen nur

Im Thale wandeln, auf Bergen steh’n,

Nachts auf dem Vollmond, von der Sonne

Nieder mir lächeln — da kniet’ ich beten!

Dich wiederfinden, leuchtend im Sternensaal,

Dich an die Brust mir drücken —da stürb’ ich gleich!

Und was im Himmel nie geschaut ward:

Engel bewundern da einen Todten!

Das junge Weib neigte sich vor, als würde sie zu Boden stürzen; er ergriff, er umschlang sie, drückte, sie fest an die Brust, und rief nur: Mein Weib! Meine Gabriele! O, darfst du kommen — und kommst zu deinem armen Freund!