Ich ging also in die bessere Welt als Milizcapitain eines Kirchspiels in Unter-Canada. Diese Art Dörfer heißen verlorene, nämlich, als wenn ein Kind des Mikromegas die Kirche, die Häuser und Hürden, durch den unermeßlichen Wald hinwandelnd, aus seiner geöffneten Schachtel nach und nach hier verloren hätte. Und so stehen denn die Häuser alle allein, jedes mit seinem Garten, seinen Aeckern und Wiesen, jedes wohl 1000 Schritt von dem andern, getrennt durch Wald, und nur verbunden durch einen Fluß oder Weg — wie ein armes Mädchen einige wenige Perlen recht weit auseinander auf einen Faden Seide reiht! An mich kamen die Befehle der Regierung durch den Milizobersten. Du kannst Dir das Schwierige der Polizei denken! So ein Dorf ließe sich kaum durch Luftballons bequem regieren! und wenn Sonne, Mond und Kometen etwa dergleichen sind, so läßt sich Einiges von der göttlichen Weltregierung entfernter Maßen begreifen!

Mir fehlte, außer meinem Hunde, ein freundliches Wesen, das mich empfing, wenn ich nach Hause kam. Tausend Dinge fehlten, des Morgens, des Mittags und, um nicht mehr zu sagen: des Abends! Mir fehlte die Gegenwart; mir fehlte die Zukunft, das heißt: ein Kind, oder Kinder, kurz mir fehlte ein Weib! wenn ich jetzt hier dauern und im Alter noch hier glücklich sein wollte.

Nun ist es gewiß die entschiedenste Thorheit, ein Weib zu begehren, das uns ganz gleich sei an Sinn, Bildung, Kenntnissen, Richtung; denn die Erfüllung dieses Begehrens ist durch die Natur dem Manne unmöglich gemacht und geht auf Männer, auf Freunde. Das Weib soll alles Das sein, was der Mann nicht ist; eine Frau soll grade alles Das nur haben, was der Mann nicht hat; er soll sich mit ihr, sie durch ihn ergänzen, damit Ein Mensch daraus werde! Und eine mit mir ganz disparate Frau hätt’ ich gewiß bei uns unter den Engeln in Lüneburg gefunden — aber alle die Engel waren nicht hier! Indessen schien es doch gut: wenn ein inneres Band uns Gatten knüpfte, so daß wir gleich die Ehe beginnen konnten in einem Sinne, mit ähnlichem Streben — wenn unsere Stimmung uns durch dieselbe Vorzeit, die in unserm Gemüthe wiederklang, gegeben war. Am liebsten hätt’ ich also ein Weib genommen, das, auch vom Vaterlande losgerissen, hierher verschlagen war wie ich! Aber zu ihrem Glück gab es keine solche Unglückliche hier.

Nach dieser also schien mir ein Wesen das beste, das, aus den Urvölkern dieser Gegend entsprossen, unsern Kindern Gedeihen und guten Bestand versprach, wenn sie wie fremde Aepfel auf dem — gutgemachten Quittenstrauch wuchsen, dem diese Erde seine mütterliche war!

Zu dieser Wendung hatte mich ein siebzehnjähriges Mädchen von dem verlöschenden Stamme der Algonkinen gebracht. Sie lebte in unserm Hause und hieß Eoo. Ohne eine Sklavin zu sein, verrichtete sie fast Sklavendienste. Denn jenes Urvolk der Algonkinen, kaum hin und wieder durch einigen Maisbau an die Scholle geknüpft, lebt in den endlosen Wäldern meist von der Jagd, und selbst eine Mutter überläßt, von den Sorgen um Nahrung umhergetrieben, mit schmerzlicher Freude die Kinder an Fremde, um sie nicht zu tödten! Den Vater der Eoo kannt’ ich; denn ich selbst war einst Abgeordneter an die freien Indianer gewesen, und ich hatte ihnen, wegen Erhaltung des Friedens, wollene Decken, Zeuche, Gewehre, Messer, Spiegel, Scheeren, Kessel, Brillen, Töpfe und Rum von Seiten der englischen Regierung schenken müssen. Damit ziehen die armen Kinder ab, als wenn sie uns betrogen!

Eoo’s Reize, ihr liebreiches Wesen leiteten mein Selbstgespräch bei der Eheberathung. Von einem Weibe (dacht’ ich) verlang’ ich vor Allem zuerst: Gesundheit! Ist die Frau gesund — dann ist sie heiter, willig, stets wohlgelaunt, zu allen Freuden und Leiden stark und verheißt dem neuen Zustande Dauer. Ohne Gesundheit sind all’ ihre anderen Gaben — keine!

— Und gesund ist Eoo!

Zweitens sei das Weib zuverlässig in jeder Art. Denn all ihr Gutes wird zum entgegengesetzten Bösen, wenn es mit ihr nicht uns gehört. Bei den Liebenden aber ist Sanftmuth und Duldung und Zuverlässigkeit.

— Und wen Eoo liebt, den liebt sie bis in den Tod getreu. —

Drittens fühle und wisse sie, was nöthig und schicklich sei im Hause zu aller Zeit und wolle lernen, es herzustellen (denn jede Jungfrau wird erst als Weib ein Weib). Dann sorgt sie, daß Alle immer haben, weß sie bedürfen, das liebe Kind in der Wiege, und selbst der Hund an der Kette!