Man will also doch auch gemalte Natur, spitzte mich Clarke, und von diesem Wahne leben wir Maler! Es muß etwas dahinter sein, sonst verhungerten wir! —
Aber ich hoffe von den Menschen, versetzt’ ich ihm, wenn Jederman: Hausflur, Saal und alle Zimmer bis auf den Boden wird voll Gemälde haben, daß er sich dann wieder hinaus in’s Freie begeben wird, um das ihm selten Gewordene zu sehen. Ich — ich bleibe gleich lieber draußen! —
„Freilich, wer mit der Natur selbst verkehrt, wer ihre Morgenröthen, ihre Abendscheine, die Frühlingserde, die bunte Herbstlandschaft oft bestaunt, als Gotteswerk, wie Ihr, guter Gottesmann Lambton, und dabei ein armer Schelm ist, für den mal’ ich keine Gemälde.“ —
Ihrentwegen, sprach ich über die Anspielung auf meinen Beutel ärgerlich, miß’ Ich wenigstens niemals den Sonnenaufgang, oder das unheimliche Helldunkel der Sonnenfinsterniß, die selige Ahnung bei Mondverschattung — oder das feurige „Nordlicht!“ Ich verließe gern die kleine Hütte des Nachts um — — — „Das Nordlicht!“ wiederholte Clarke, und erröthete, als wenn es ihn eben anglüh; ach, das Nordlicht! seufzt’ er, und senkte sein Kinn auf die Brust. —
Getroffen! dacht’ ich, und fuhr fort: Nicht um alle gemalten St. Johannes- und Christus-Kinder, wollte ich missen, Ein lebendes kleines schönes Kind zu betrachten, besonders, wenn es mein eigenes wäre. —
Mein eigenes! wiederholte Clarke unruhig, und hörte auf zu malen.
Nun mußt’ ich das Schreckliche wagen und sagen: Nicht um alle Magdalenen, Marien, Annen und Lisen wollt’ ich nicht mehr Lisanna sehen! —
— „Auch Sie hab’ ich getäuscht, was wird Sie sagen? und erst Sir Samuel, Roßborn und — Patrik!“ sprach Clarke, nur eben noch verständlich vor sich hin. —
Das war die bitterste Stunde meines Lebens! Es gab mir einen Stich in’s Herz, und der helle blaue Himmel ward mir dunkel und schwarz. Unfähig, mich sitzend zu erhalten, sank ich mit dem Gesicht in das grüne Moos auf dem Felsen und athmete kaum.
Das war wohl ein Jammer! — Nach einiger Zeit hörte ich eine Stimme rufen: Clarke! Herr Clarke! — und nach einer Pause erst wieder: Lambton! Herr Lambton! o lieber Lambton! Es war Lisanna unten am Steine. Ich regte mich nicht, und nun erst brachen die Thränen mir aus, daß ich schluchzte. Endlich kam sie herauf und stand vor mir und klagte: Mein Gott, bester, einziger Lambton, was ist geschehen? Wie seht Ihr aus, blaß und außer Euch. Ihr weint!