Gestern brachte mir Mstr. Oldham einen Brief von Dr. Toland in den Schacht; und ich las ihn entfernt von den andern Arbeitern in einer Seitenhalle bei meinem einsamen Grubenlicht. Den Brief muß ich eintragen, und schreibe also Folgendes noch einmal selber an mich.


Schloß Rowlandhill, Neujahrstag 1821.

Guter Lambton!

Ihr arbeitet in der Grube ohne Mond und Sterne, Ich unter dem hellen Himmel im Sonnenschein, und auch die Sterne fehlen nicht, auch nicht günstige. Mein Werk ist halb gethan. Doch vom Anfang ist anzufangen. Ihr wißt, Was ich sage, ist immer aufrichtig; aber ich sage nicht immer Alles. Das hab’ ich mir an dem Krankenbett angewöhnt, wo die Anverwandten uns Doctoren beständig um das Prognostikon plagen. Auch Lisanna war krank, recht krank, als Ihr Euch uns entzogt. So stellte ich Ihr nun das Prognostikon: es werde so gut für Sie und Euch. „Wenn es nur gut für Ihn,“ seufzte sie, „bin ich zufrieden, und will leiden, meiden und schweigen.“ Das Recept, worin ich für ihre Sehnsucht, als Basis, ihr Vater und Mutter verschrieben, schlug vortrefflich an; das Adjuvans war ein Mann, und das Bindemittel der Fenchelzucker der „guten Hoffnung.“ Also noch in Forth, auf, einem Spaziergange vor die Stadt, landeinwärts, begegnete ich Sir Horazio zu Pferde. Er war stark geritten, hielt seinen Hut in der Linken, und rieb sich mit dem gelbseidenen chinesischen Tuche die wenigen schwarzen Haare zusammen, und trocknete sich den Schweiß von seiner hohen Stirn. Daran schon erkannt’ ich ihn, trat ihm in den Weg und sagte: „Ich bin Doctor Toland.“ — Er hielt, und erkannte mich, da ich früher sein Hausarzt gewesen war. Ich sagte ihm nun mündlich, daß Ich ihm seine Tochter, seine Elisa, die verlorne, wiederbringe. Er blinzte mit den Augen. „Wie wird sich meine Theano freuen — wenn es wahr ist!“ war seine Freude: dann war er beinahe kalt, ernst, und ging sehr vorsichtig zu Werke, welches ein Rechtschaffener jedem gern gestatten kann. Zu uns eintretend, grüßte er nur leicht Lisanna, der ich Namen, Wohnort, Stand und Vermögen ihrer Eltern bisher alles verschwiegen hatte. Ich verzieh ihm den leichten Gruß, und Elisa dankte ihm nicht einmal, denn sie war eingeschlafen. Sie lehnte rückwärts mit dem Köpfchen an der Tapetenwand, und saß ihrem Vater gleichsam Probe. Während er erröthete, erblaßte, auf die Lippen biß, die Augen fest zudrückte, und warm und kalt anzufühlen war, legt’ ich ihm Roßborn’s Zeugniß und Aufnahme der Aussage der Russel vor. Er bezweifelte die Wahrheit ihrer Worte, ja er mochte wohl glauben, es sei dieselbe Russel nicht. Ich zeigte ihm das Bild unserer Russel, den schönen Kopf von Clarke gemalt, und die Treue und Aehnlichkeit desselben gestempelten Bildes mit der in der Rauchkammer krank gewordenen Russel, gleichfalls beglaubigt von Roßborn und Patrik. Horazio stieß ihr mit der Faust in’s Gesicht, welches mit keinem Auge blinkte, keine Miene verzog, sondern ohne Furcht ihn ansah. So etwas macht Eindruck. — „Warum gestehst du jetzt erst, alter Satan!“ redete er sie an, „da Theano dich umsonst beschworen, da ich Dir vielleicht Verzeihung ausgewirkt, Dir noch 10,000 Pfund gegeben hätte, wenn Du meiner Theano ihr Kind wiedergabst!“ — Wer ein Gespräch gern erlöschen sehen will, der darf nur nicht antworten; und so that die Russel. Dafür entgegnete Ich ihm: Glauben Sie einem Doctor, Sir Horazio, daß vor dem Tode mancher Menschen die Zunge Dinge verräth, welchen der Tod nur Strick und Schwert erspart. Der Mensch braucht dann Vergebung — und vergiebt. Er muß alles geraubte, unrecht erworbene Gut zurücklassen — und er giebt es von selbst wieder, um Ersatz zu leisten. Er hofft die Seinigen wiederzusehen, und erfreut beraubte Eltern mit den Ihrigen! Vieles, vieles, und grade das Schwerste, das Ungeheuerste kommt freilich niemals an die Sonne! und kein Mensch erfährt es! Das hab’ ich auch gesehen in Krankheiten und Todeskämpfen; aber ich habe auch gesehen, daß sich die Menschen mit verborgener Sünde die Seele vergiften, daß gegen diese Aqua Toffana kein Mittel ist, und daß leider Viele, Viele daran sterben. — „Sie ist ja aber nicht gestorben! les’ ich;“ warf mir Sir Horazio ein. — In der Welt der Täuschungen gilt der Wahn für die Wahrheit; man macht auch Testamente auf den Todesfall — Schenkungen unter den Lebendigen; begegnet’ ich ihm. Dabei hielt ich Sir Samuel’s Bild in den Händen, dem er Elisa’s Erziehung und sie selbst jetzt hauptsächlich zu danken habe. — Er that einen wunderlichen Blick darauf, und vor Zorn und Mitleid, Haß und Neigung traten ihm die Thränen in die Augen. Er deckte das daneben liegende Bild darauf, Lambton, es war das Eure! und als er Euch nun sah, tief er aus: „Eine schöne Gesellschaft Menschen! Das ist der reisesüchtige Thor, der, um seine Lust zu befriedigen, ein Mädchen um ihre Erbschaft, und dadurch um einen Mann gebracht, und sich um die Schule und meine Gunst; und nur auf Theano’s wunderliche Fürbitte habe ich ihn nicht lassen in die Zeitung setzen, wie noch geschehen kann!“ — Ihr seht, mein unschuldiger Lambton, es möchte also nur Ein Mittel geben, Euch wieder zu Eurer Stelle zu helfen; und Sir Samuel, wohlweise, und die vornehme Welt kennend, hat es mir vorgeschrieben. Das ist mir desto lieber; denn es schmeckt nicht ganz süß, und dauert mich einzugeben. Aber das Mittel, das anschlägt, ist dem Doctor unschätzbar, wenn er ein Menschenfreund ist, wie Ihr mich immer zu nennen beliebt. — „Viel Anstalten! viel Auslagen! klug ersonnen! aber die niedergelegte Summe ist auch nicht klein;“ murmelte Sir Horazio. Ich machte die Thür auf, um ihn die Treppe hinunter zu werfen, und faßte ihn schon beim Kragen. Der Lärm erweckte Lisanna, und ein Blick auf sie ließ mich meine Hitze bereuen. Sie sprang auf, sie stand, sie kam auf uns zu und rief ängstlich: „Was beginnt Ihr?“ — Sir Horazio sahe ihre Bewegung, ihren Wuchs, ihre Stellung und hörte ihre Stimme, ja grade diese Worte mit sichtbarem Erstaunen. Er nahm den Hut, schied übereilt, und sagte mir nur auf der Treppe: „Morgen nach London, Toland!“ —

Und so geschah’s. Dort erhielt Lisanna schöne Kleider, die sie noch einmal so schön machten. Auch als Doctor, und gerade als Doctor, der die Menschen alle für Stative, für nur überfleischte Todtengerippe ansieht, muß ich sagen: Der Putz ist wirklich kein leerer Schein! Der Häßliche mag sich schmücken und anziehen wie er will, der Schöne ist doch geputzt am schönsten, und schöner als er sonst selber! so wohlgeordnet jede Locke und jede Falte wohlgelegt! Und ist das Weib nicht immer so, kann sie doch immer wieder so schön sein — wenn sie sich wieder putzt. Ich sehe, der Putz ist den Frauen unentbehrlich, wenn sie Alles sein wollen, was sie können; und darum mag ihn keine entbehren, kein Mann ihn seiner Frau, kein Vater ihn seiner Tochter entbehren lassen. Kurz, Lambton, die vornehmen jungen Herren ritten und fuhren uns nach, selbst die Damen blieben stehen, und einige aus den 40,000 Jungfrauen riefen auch wohl bezaubert das „schöner Engel!“ ihr zu. Denn, wenn auch Lady Theano das große Bild „die Präsentation“ in Schloß Rowlandhill besitzt, so sind doch hin und wieder in London in reichen Häusern andere Gemälde desselben Meisters, zu welchem er das schöne, schöne Kind Elisa als Vorbild, oder Natur, wie die Maler sagen, benutzt, und sie als Engel hinein gemalt hat. Selbst mit der Krone, als das Kind, das Macbeth wahrsagt, hab’ ich sie sehen im Kessel stecken, über dem Feuer und unter den Hexen in Dampf und Glut. Solche Bilder nun zu sehen, fuhren wir in der Stadt hin und wieder. Horazio verglich dann Farbe des Haares, Colorit, Oval des Gesichts, Braun der Augen, Gliederung der Hand, und was weiß ich Alles mit ihr, doch ohne daß es Lisanna bemerkte, die ihren Vater nicht erkannte, so wenig, als den Maler L . w . . . ce, und nur mit gefalteten Händen und befremdeten Blicken vor den rührenden köstlichen Gemälden stand; besonders vor einem, worauf sie als des verlornen Sohnes kleine Schwester ihm unter der Treppe heimlich ihre Feige zusteckt, wie dem Lambton manchmal Nektarinen; und vor dem andern, worauf sie als Engel im Felde den Hirten große Freude verkündigt! — In den Zwischentagen habe ich Eure Kisten alle verkauft, die ich mir hatte aus Forth nach London nachkommen lassen. Das kostbare Herbarium vivum, die Sämereien, die gottgemalten und im Feuer der Natur vergoldeten Conchylien, die Incrustationen von den Bergen, die Versteinerungen, Mineralien, Schiefer, Asbest, gediegenes Eisen, Carneole, Basalte, Bergkrystall, Chrysolith, Jaspis und Marmorarten — Alles ist fort! Ich bin zufrieden 3010 Pfund dafür bekommen zu haben, was Ihr in Eurer Unwissenheit Alles zusammen gerafft und womit Ihr Euch oft die Taschen entzwei geschleppt habt. Ich schicke Euch davon 10 Pfund zu Kleidern; mehr kann ich nicht entbehren; denn ich habe eine Speculation.

Den Ausschlag für Lisanna’s Anerkennung gab endlich in der Christwoche ein Abendbesuch in Piccadilly bei den ausgestellten Spielsachen. Dieselben offenen Läden, dieselbe freundliche Alte, dieselben Spielsachen, diese ewigen Stereotypen der Natur für die ewige Kindheit auf Erden, da wunderlich und friedlich, schimmernd von Gold und Farben, lockend und schweigend beisammen, funkelnd in dem Glanz der Kerzen! Davor standen, an der Hand ihrer Mütter und Väter und Wärterinnen, die Kinder umher und erstaunten! Welches zusammengedrängte Leben! welche großen Gestalten, ja Riesen und riesenartig! denn sehen wir Großen in Wahrheit nicht Alles klein, selbst in sehr mäßiger Ferne? Sind wir nicht eigentlich die wahren Kinder? Indeß den noch mit der Täuschung der Ferne nicht bekannten im Natur-Scheine seligen Kindern erscheint ein Püppchen: ein wirklicher Mensch, ein Pferdchen: ein großes Pferd, ein Ziegenböckchen: ein hoher Bock, ein winziges Bäumchen: ein mächtiger Baum, ein Lämmchen: ein Lamm. O wie glücklich kann man die Kinder machen! glücklicher als sie je als — Menschen werden können. Ach, wer es kann, sollte es nicht versäumen, ihnen Freude zu machen, denn Freude ist des Lebens Kern, und sie klingt uns ewig nach aus der vergessenen Kindheit und giebt uns Kraft! Die ganze bunte Erde ist ihnen künftig keine Weihnachtsbude mehr! Aber jetzt, hier vor ihnen — Alles ist ihnen ja das, was sie sehen; es bedeutet es ihnen nicht bloß! es ist die Welt, ihre Welt, bequem, nahe, still, freundlich — und Alles ihr Eigenthum; Alles lebt, denn sie leihen ihm Leben in dem seligen Kindertraume. — Sollt’ ich mich wundern, wenn auch das ärmste, frierende Kind mit den Händchen langte nach den bewunderten Schätzen, geliebt von ihm, wie dereinst die Welt! Hatt’ ich nicht Lust zu weinen, wenn die arme Mutter, die ihm nur das Entzücken des Anstaunens hatte gewähren können, nun das weinende, schluchzende, zurück verlangende Kind forttrug, um nicht den Andern die Freude zu stören! Aber ich hatte nicht Zeit solchen zu kaufen, auch ist ihrer das Reich Gottes — ich hatte genug an Lisanna zu sehen, die selbst, wie ein Kind vor dem Himmel der Kinder stand, an dem sie lieben gelernt, und es nun konnte, aber vergessen zu haben schien. Sie war wie verwandelt und starrte und hörte, und scheute sich, anzurühren. So stand sie in tiefen Gedanken, wie nachsinnend und dann vom Traum erwachend, immer röther und röther, wie eine Rose im Morgenschein. Jetzt war der Moment gekommen; Sir Horazio, der sie bisher an der Hand gehalten, ließ sie los, und entfernte sich aufmerksam. Und mit unbeschreiblicher Angst wandte sie sich um, und rief auf einmal laut: „Vater! Vater!“ und trennte die Menge. Sie stand im Dunkeln abwärts allein, hielt die Hände vor das Gesicht und weinte bitterlich. Sir Horazio nahte sich ihr gerührt und überzeugt, und schloß das bewegte Kind in seine Arme. „Ja, Du bist es, Du bist Elisa, unsere Elisa,“ stöhnt’ er, vom langen Verhalten der wachsenden Freude wie ermüdet. „Vater, Vater!“ waren die letzten Worte, die in meine Seele durch die Dunkelheit drangen. „Vater, Vater!“ die ersten, die mir wieder in die Seele dringen. „Sei willkommen, sei tausend Mal willkommen, unser theueres einziges, lange, lang’ entbehrtes Kind! Wie wird sich Theano freuen!“ rief er — und versank in sich selbst. „Der Thor, der Samuel!“ sprach er, wie aus dem Traume. — Darauf war er wieder ernst, ja ernster als zuvor, und Lisanna, die an ihm hing, schien ihn zu belästigen.

Wie wir zu Hause im Zimmer auf- und abgingen, hatte Elisa schüchtern und kleinlaut in ihrem neuen Stand und Verhältniß, als Erbin einer schönen Baronie, sich in die Ecke, des Sofa’s gedrückt und war gewiß voll Hoffnungen und Erinnerungen eingeschlafen. Sie sprach bald im Traume losgerissene, herausperlende Worte aus ihrer Seele, die wie ein klarer Quell bis in den tiefsten Grund aufgeregt worden war. Ein sehnliches „Lambton!“ perlte herauf, und zerstob auf ihren halb geschlossenen Lippen, so, daß es nur wie Lamm klang. Dann rief sie hastig: „Mutter! — Mutter!“ und innerlich weinte sie sehr, aber die Thränen flossen nur bis auf die halbe Wange. Wir traten theilnehmend und innig gerührt vor das liebe Kind, und sahen dem Schlafwandeln ihres Geistes in seiner stillen Werkstatt zu. Die Seele ist ja der Traum des Gehirns. Wie wir bald sie, bald uns ansahen, streckte sie die Arme aus, und rief, wie aus weiter Ferne: „Sir Samuel! — Sir Samuel!“ — Der bange Laut ihrer Stimme, der Name selbst empörten Horazio. — „Ja, rufe nur Samuel! Samuel!“ sprach er leise, aber desto schauerlicher; — „du weißt nicht, Wen du rufst! Das hat er angerichtet: die Eifersucht bestraft sich selbst! O daß sie auch nur sich quälte! Doch leider, ist’s nicht so. Wir Alle haben gelitten; selbst die Armen, um die wir uns nicht kümmerten in unserer eigenen Angst! Es giebt Menschen, die aus Uebermaß ihres Glücks, vielleicht bei überwiegender Phantasie, die immer zur Wehmuth neigt, eine herzerquickende Freude, ein ihnen eigenes Entzücken darin finden, in Eifersucht zu schwelgen! In diesem süßen Gefühl versäuert sie endlich und wird Gift. Die Wahrheit hält sie für Lüge, Entschuldigung für Frechheit, nur ihren Schmerz und Wahn für wohlbegründet! Sonst hätte Sir Samuel nicht Theano für Desdemona gehalten — aber, o daß er es hätte! dann hätt’ er nicht rasend zum Kopfkissen des Othello gegriffen! Da kauft’ ich das göttliche Weib um jeden Preis ihm ab, Ihr Leben zu sichern und seines — meines verirrten Freundes! Aber die Scene hatte Zeugen herbeigerufen, das „was beginnt Ihr?“ war erschollen, und obgleich Theano alles aufbot, ihn zu retten, und außer Besinnung vor den lächelnden Richtern bekannte, daß Er sie doch habe das Vaterunser beten lassen, was gerade gegen ihn zeugte, als sie bekannte, daß Elisa“ — —

Da bewegte sich unsre Elisa schmerzlich im Schlafe, rang sich mit der Russel, jammerte laut, erwachte darüber, wie ein Kranker und — störte uns.

Doch weiter! Sir Horazio hatte beschlossen, Elisa seiner Theano zum heiligen Christ zu bescheren; ja, sie sollte sich selbst als der Engel ihr wieder bescheren. Dazu ließ er ihr ein schneeweißes Gewand, große goldene Flügel, ein Sternendiadem aus Juwelen, einen Gürtel und eine künstliche duftende Lilie machen. Ich selbst ward zum Knecht Ruprecht ausstaffirt, um auch dabei zu sein. Devisen wurden gedruckt und in vergoldete Nüsse gesteckt; Lisanna’s Kinderkleidchen, welche ihr die Russel mitgegeben, wurden noch einmal gewaschen, geplättet und gefaltet; ihr Amulet an der Halskette ward in einem goldenen Apfel verborgen, der bei’m Anfassen des Stieles sich aufthat. Ehe dieß Alles fertig war, stellte mir Sir Horazio die Anweisung der Prämie für die Wiederbringung der Tochter aus — au porteur — und ich erhob 15 bis 16,000 Pfund mit Einer Hand, ja mit zwei Fingern. Bin ich nicht ein starker Mann? Spart Eure Bewunderung, Seufzer und Thränen! Denn nun reiseten wir nach Rowlandhill, und trafen in der Dämmerung des heiligen Christabends dort ein. Der Schnee flimmerte in blitzenden Sternchen vor den Hügeln, Christbäume brannten in den Stuben, und die Kinder jubelten um sie her. Wir sahen Licht im Schlosse. „Das ist in Elisa’s Zimmer!“ sagte Sir Horazio. „Nur alle heilige Christabende wird es geöffnet und betreten. Da steht in der Mitte derselbe Christbaum! Da werden dieselben Wachskerzen ein Viertelstündchen angezündet, die endlich niedergebrannt, dieß Jahr, heut! kaum noch ihr letztes Viertelstündchen leuchten; da stehen die Spielsachen umher aufgeputzt, die das Kind erwarteten, das ich bringen sollte und verlor. Da liegen die Puppen, wie weinend um sie, auf dem Gesichte, und der Nußknacker macht sein erstauntes Gesicht, und die Engel halten ihre Schrift über der Erscheinung des Kindes: Gloria in Excelsis Deo! während die Hirten niederfallen und anbeten, der Morgenstern über dem Hause stehen bleibt, die heiligen Drei Könige erscheinen, worunter der Mohrenkönig ist, und selbst Oechslein und Eselein an der Krippe sich wundern. Nun: Gloria in Excelsis Deo!“ rief er aus. In einiger Entfernung stiegen wir ab; ich trug meine Sachen, Sir Horazio Lisanna’s, die wie im Traume wandelte. So schlichen wir in das Schloß, auf die Zimmer. Marion ward gerufen und bedeutet. Sie half Lisanna als Engel kleiden, mir half Sir Horazio in den Knecht Ruprecht fahren. Marion brachte Nachricht, Lady Theano sitze in Miß Elisa’s Zimmer vor dem brennenden Christbaum, und träume: ihr Kind zu erwarten! Sie könne es nicht mehr ansehen!