„Da kommen wir recht!“ flüsterte Horazio. So gingen wir. Elisa zitterte, daß sie fast die Bescherung aus den Händen verlor. So traten wir ein. Wir konnten uns nicht der Thränen enthalten, als Elisa in ihrem funkelnden Diadem, ihren goldenen, jetzt blitzenden Flügeln leise und schüchtern näher, und nahe vor ihre Mutter trat, und das arme Weib mit der Lilie an ihrer gesenkten Stirn berührte. Wir schauerten! Theano machte eine Bewegung aufzustehen; aber sie versank in sich, mit geschlossenen Augen, häufige Thränen vergießend. Der himmlische Gruß bebte Elisen von den Lippen! Sie bescherte ihr darauf eine Nuß nach der andern, so wie sie die darin enthaltene Devise gelesen, deren Inhalt die Mutter allmälig auf das Entzücken vorbereiten sollte.

„Nichts ist den Lebendigen verloren, als die Todten!“ gab sie ihr zuerst in der goldenen Nuß. Dann in der silbernen:

„Eure Kinder sind auch Gottes Kinder!“ und zuletzt in der grünen:

„Die Todten stehen nicht auf, aber die Verlorenen kehren wieder!“

Mein Gott! rief Theano, was willst Du? was sagst Du? Ach, ich habe ausgelernt zu hoffen! —

Ausgelernt? o Theano! — so kannst Du es ja! o hoffe! flüsterte Horazio ihr lächelnd und weinend zu. —

Da überreichte ihr Elisa den goldenen Apfel; Theano nahm ihn an dem Stiel, er sprang auf, und sie zog das Halsband ihres Kindes halb daraus in die Höhe, und ließ Apfel und Halsband fallen, und die Aufgerichtete sank in den Sessel. —

„Bist Du ein Engel, daß Du mir diese Gaben wiederbringen kannst?“ fragte sie Elisen mit halber Stimme.

Elise nickte, und bewegte doch gleich ihr Köpfchen wie zu einem: Nein! — Darauf legte sie ihr die Kinderkleidchen nach einander hin, auf die Kniee. Theano entfaltete sie, und hielt sie in die Höhe. „Meine Stickerei! meine Blumen — Elisa’s Kleidchen“ — sprach sie fast athemlos; „ach, was bringst Du mir Alles, Alles wieder; nur mein Kind, mein theures Kind nicht!“ schluchzte sie erschüttert — darauf sahe sie Elisa groß an, und an dem Lächeln ihres Antlitzes zündete sich ein leises Lächeln im Antlitz der Mutter an, das in beiden schmolz, wuchs, sich verklärte bis zu himmlischer Freundlichkeit.

Da fragte die Mutter: „Wer bist Du?“ und zog Blick, Haupt und Gestalt langsam zurück.