Ihre Hauptwache hat Wunder gethan; sie hat mich entschieden — meine Hauptwache zu entlassen. Mehr ist sie ja pro tempore doch nichts. Diese Revue hat mir meine erspart! Man kann nicht Soldaten machen, nicht ansäen wie Fichten und einhegen — das haben Sie Mir gezeigt, und verdienen eine Bürger-, ja eine Bauer-Krone! Mein Armeechen kann fortlaufen, übergehen, sich schlecht schlagen — aber hab’ ich die Meinung für mich, besonders diese, daß ich alle Welt gern arm haben will: so läuft mir jeder Knabe zu, sogar aus fremden Staaten, und meine Leute lassen sich geradezu todtschlagen für mich. Was will ich mehr? sagen Sie selbst, von Borromäus! Ich danke also nochmals von ganzem Herzen, Sie haben meinem Ländchen Millionen erspart und tausend Hände und Beine geschenkt, ditto viel Tausend Chakos, Säbel, Flinten. Trommeln, Röcke, Tornister, Westen, Mäntel — die Knöpfe nicht zu vergessen!
An der Inschrift sind Sie unschuldig, das weiß ich, und es sagt es Ihnen gern
Ihr
in Affect gerathener
Hannes
Manu propria.
Die erste Folge davon für den armen Johannes war, daß er vor dem Gerichtshalter ein Examen rigorosissimum auszustehen hatte und den Beweis führen sollte, daß er nicht lesen und nicht schreiben könne! Der außerordentlich gewandte Mann wußte in diesem Fall selber einmal nicht, wie er ihm das Lesen und Schreiben beweisen könne, wie Johannes mit Augen und Buch und Feder und Hand das nicht zu beweisen vermöge. Seine Praxis war hier aus, und er bedauerte laut die Abschaffung der Folter, worauf man jeden Unschuldigen schuldig finden konnte — ad Collubitum. Aus Desperation ward also der Schulmeister Wecker suspendirt „wegen ermangelnder Absicht“; wie statt Obsicht im Urtheil stand.
Aber die zweite Folge war: Johannes bekam zur — Strafe — kein Lohn für alle wochenlange Arbeit. Das war das Schlimmste für ihn, seine Christel und die Kinder, und ein wahrer Schlag in den Vogelheerd.
8.
Johannes war nun sehr betreten und muthlos. Meine gute Christel, sagt’ er, Du bist schlecht bei mir angekommen! es thut mir leid, daß Du mich geheirathet hast, daß Du des Wochentags in Sonntagskleidern gehen sollst, Du armer Schelm! Unsere Retter sind nun noch die Weinberge, und die Stöcke, die da zu stecken sind; da geh’ ich nun hin und muß Dich die ganze Woche über verlassen, und sehe Dich nicht und die Kinder! Aber wenn ich Reben schneide, und sie weinen und tröpfeln, da kann ich mir denken, wie es daheim um Deine Augen aussieht! Du armer Schelm! —
Wein’ ich denn? fragte ihn Christel und sah ihn mit ihren großen braunen Augen an, die sich regten und feucht glänzten.
Dir sind die Augen naß, meine Christel, sagt’ er.