Johannes erzählte den Fall.
Ihr steht hier auf meinem Grund und Boden. Hier liegt der Hase, hier habt ihr ihn erschlagen, hier stehen die Zeugen!
Johannes mochte nicht bitten.
Der einzige Fall ist auch genug! sagte der junge Herr. Es soll so einmal ein Exempel statuirt werden; es ist mir lieb, daß es Euch trifft. Die Gesetze gegen Wilddiebe sind, Gott sei Dank! scharf und in Ehren, weil sie vornehmer und reicher Leute Rechte schützen. Auf den Sonnabend ist Gerichtstag! der Gerichtshalter wird sich freuen, Euch wieder zu sehen und Euch zu beweisen, daß Ihr Hasen todt schlagen könnt. Stellt Euch also nur dann zu rechter früher Tageszeit von selber ein. Die Vorladungskosten will ich Euch sparen aus Gnaden.
So war die Gesellschaft lachend von dannen geritten.
Johannes ging in der Stille an dem bestimmten Tage, unter dem Vorwande, wo anders hin zu gehen, und empfing seinen Bescheid und sein Urtheil, das auf dreimonatliche Gefängnißstrafe lautete, da er kein Geld habe. Er hörte das ruhig an und bat nur, daß er erst zu Weihnachten sich einzustellen brauche, weil jetzt noch Verdienst sei, aber im völligen Winter nur wenig. Und er hatte große Freude, daß ihm das zugestanden ward, in der Kälte gefangen zu sitzen. — Eingeheizt wird Euch nicht! lächelte der Herr Gerichtshalter. Dann bat Johannes nur noch, daß seine Strafe verschwiegen bliebe, bis er wieder entlassen sei. — Das ist wider die Lehre von der Besserung durch das Beispiel! erhielt er zur Antwort. Er bat aber sehr und weinte im Herzen über die Angst seiner Christel und ließ nicht ab, bis er auch das erlangte.
Versprechen ist ja nicht Halten! bemerkte der Gerichtshalter leiser zum gnädigen Gottlieb; ich kann das Bitten nicht ausstehen, es erinnert mich immer unangenehm an den Menschen in mir, und ich bin nur der leibhaftige Justinia-si-nus! Denn unsere Last ist schwer! schon die treuherzige Miene zu machen, die Rolle durchzuführen und immer gleichgültig — grau auszusehen und uns sicher zu stellen, daß man uns nicht auf das Pergament klopft, mein Hohlwohlgeborner! Doch wir können das Sackspiel! und besser! Ruhig sie — hängen lassen, so spielen es die Meister. — Nun können Sie die Schule mit ihr anfangen!
Mit ihr ist nichts! das Volk hält gar nichts mehr auf angethane Ehre! ich habe nun andere Sorgen! bemerkte der Herr.
Bedauere! — Ich habe meine Schuldigkeit gethan! neigte sich der Justini—anus.
Johannes aber ging und sprach in Zeiten von einer Reise zu einem entfernten Anverwandten, der ihnen helfen solle. Er war fleißig bis zum Weihnachtsfest, um sein Weib und seine Kinder zur Noth zu versorgen, denn ihre Zahl sollte gegen Ostern noch um Eins vermehrt werden, wenn nicht durch Zwei, wie Gott nun segnete.