Johannes stand gerührt.
Nun da kann ich die Fackel auslöschen! meinte Wecker und stieß sie vor dem Hause in den Schnee.
Der Vater aber trug den Knaben leise ins Haus und hörte mit Freudenthränen eine zarte Kinderstimme in dem Stübchen, stand und sah durch das kleine Fenster in der Thür, wie die Alte es schon im Bettchen auf den Armen trug. So legt’ er den Daniel hastig in den Schuppen, damit ihn die Mutter nicht sähe. Er dachte kaum, daß dieser kein Strohdach hatte, daß es schon tief hinein geschneit, daß es immerfort noch häufig hinein schneie — ihm schadete ja das Alles nichts! Da ruhe in Gottes Namen, mein Kind! sagt’ er; nahm ihm das Täschchen ab und zog sich aus eigner Wehmuth selbst wieder den alten Sonntagsrock an, sahe noch einmal zurück, ob es gleich noch düster war, und ging erleichtert hinein zu Christel. Er blieb an der Thür stehen. Die Alte hatte das Kind der Mutter zum ersten Mal auf die Arme gegeben, und er hörte, daß Christel leise sprach: Segne dich Gott! mein liebes Kind! Lebe gesund und werde alt, bis Dir die Tage nicht mehr gefallen! Halte fest an Gottes Wort. — Du bist zu uns gekommen — fuhr sie mit weicher Stimme fort — anstatt in eines Reichen Haus? Wir haben Dich! — und an Liebe soll Dir’s nicht fehlen, und an nichts, was ich habe, und was Du noch brauchst. Sei nur zufrieden und weine mir nicht. Du bist bei mir. —
Nun ward es still. Eine Herzstärkung thät ihr nun wohl! meinte leise die Alte. Und so öffnete Johannes das Täschchen, legte erst ein rothes Osterei daraus auf den Tisch und brockte das Brot in das kochende Wasser. Dann ging er und setzte sich zu Christel auf’s Bett.
Sie aß. Er hatte die Augen zu. — Was weinst Du denn? Vor Freuden? ja wohl! mein Johannes, sprach sie, siehe nur her! — Er aber sagte: Weißt Du auch, was Du issest? — Ich habe ja meine Besinnung, antwortete sie: Brotsuppe! die ist mir jetzt am besten und dienlicher als von rüdesheimer Hinterhäuser.
Aber von was für Brot! meine Christel, nickt’ er. — Bettelbrot von Daniel? sagte sie heiter; sei doch ruhig, Johannes, das Kind hat es gern gethan. Alles ist von Gott, auch das Brot, und von dem nehm’ ich es an, und von dem guten Kinde noch einmal so lieb. — Wo ist denn der Daniel? ruf ihn doch her. — Er schläft; sagte Johannes; er war sehr müde, die Augen fielen ihm immer zu. — Nun so laß ihn schlafen, lächelte Christel; er hat ein gutes Werk gethan. — Der Vater aber ging von ihr, besah das Osterei, brachte heraus, was darauf gekritzelt war: „Friede sei mit Euch,“ schnitt einen Eierkorb und hing es über dem Eßtisch auf, zu des Kindes Angedenken.
21.
Da erklang ein Posthorn und rufte wie drüben vom zugefrornen und verschneiten Teiche her. Es ward still; dann ging die Hausthür auf, derbe Tritte stampften den Schnee von den Füßen, und das kleine, vom Kaminfeuer erleuchtete Fensterchen in der Thür lockte den Fremden herein.
Bin ich noch weit von Breitenthal? fragt’ er; guten Morgen auch! Man sieht im Schneegeflocke die Hand nicht vor den Augen.
Wir wohnen im letzten Hause von Breitenthal, oder im ersten, wenn man kommt; sagte Johannes.