Einen großen Haupt-Straduarius soll der Mann bekommen! Du, Breitenthal! Dorothee, daß Du Dich rein erhalten in solchen Händen! Johannes aber ein Schiff mit goldenem Boden — ich will Euch Alle glücklich machen! sagte Paschalis erregt zu Johannes.
Wenn Ihr gestern kamt! Gestern war es noch möglich! entgegnete ihm Johannes. So elend war ich da nicht wie heut’, und nun immerfort! — o mein gutes Weib! — und doch lebt ja der alte Gott! Du verstehst mich, aber nur halb!
Ihr seid doch sonderbare Menschen! sprach Paschalis. Wer begreift das Alles! Doch daß Du mir nicht Schande, nein Ehre gemacht, o Dorothee, das segnet Dir Gott und mir!
Ihr wundert Euch und seid ein großer Kaufmann, Herr Vater! lächelte Dorothee. Das jüngste Mädchen ist so klug wie der älteste Kaufmann. — Nicht wahr, Ihr verliert nur Eure Schätze, wenn Jemand fallirt, dem Ihr sie anvertraut. Aber — ein gefallenes Haus hat keinen Credit, und ein Mädchen borgt Ihm nicht einen Finger, geschweige die Lippe! — Das sag’ ich noch, damit es Euch nicht zu schwer wird, mich zu vermissen.
Gerade nun! Du mußt mein sein! bei mir bleiben! bat sie der Vater.
Das will ich mir funfzig Jahr überlegen! beschied ihn das kecke Mädchen.
Johannes aber hatte schon längst das Zimmer verlassen und wankte hin, um sich auszuweinen bei seinem Daniel. — Aber er fand Jemand schon neben ihm. Wer seid Ihr? fragt’ er verwundert. — Still! Still! ich bin Wecker! der wahre Wecker? Ich bin der Mann! schon eine halbe Stunde! Hier ist der Doctor! sprach er und wies ihm den abgeriebenen Strohwisch; er ist eigentlich nur ein Lizentiat! fuhr er fort. Das Kind, im Schnee und mit Schnee vom Himmel beschüttet, war erwärmt, und seine Wärme hat sich eine Höhlung weggethaut, sein Haar ist feucht, und seine Wange glüht. Ex Noth wird wieder Ex voto! Hört ihr das Osterlied! Nun kommen die heiligen Frauen.
Johannes aber kniete, betete und konnte vor Zittern der Hände nicht thun, was ihn Wecker hieß, der das Kind zuletzt auf die Füße stellte und in des Vaters Arme gab. Der Knabe besann sich endlich langsam wieder, glaubte noch in dem Steinbruch zu sein, bewegte den Mund, als wenn er wieder äße, hörte dann des Vaters Zuruf und sagte mit halber Stimme: Bist Du da, Vater? da hast Du Brot! komm’, führe mich heim, der Mutter wird bange sein!
Und so führte Johannes ihn zitternd hinein. Und von der aufgehenden Sonne Licht und Glanz geblendet, und schwach, schwankte das Kind und stand wie im Traume und gähnte und strich sich die Haare aus der Stirn.
Nicht wahr, Daniel lebt? er lebt? fragte Johannes die Mutter.