Das ist doch zum Lachen! versetzte Dorothee, wenn es sonst nicht zum Weinen wäre! —

Hätt’ ich doch lieber nicht auf dem Thurme gelauten! bedauerte Paschalis. Ich komme in das Dorf nach meinem Kinde zum Prediger, dem ich sie anvertraut. Ein junges Weib sitzt da: ich schweige, ich gehe; ich will morgen wiederkommen, um zu erfahren, wo sie nun ist — da brechen in der Nacht die Dämme, da eil’ ich hinauf in Todesangst um mein Kind und laute, daß sie meine Stimme höre! laute, um in der Menge verborgen sie mit zu retten — nur sie — — hätt’ ich doch nicht gelauten! hätt’ ich doch Euch gefragt, wen ich suche, statt Euern Namen mir aufzuschreiben, dann zog sie nicht auf das Schloß!

Die Alte aber sprach: die gnädige Frau ist todt; nun kann sie ja der gnädige Gottlieb auch heirathen.

Das ist meine Tochter! würd’ ich ihm sagen, trotzte Paschalis und hielt Dorothee an seiner ausgestreckten Hand.

Das ist nun eben ihm recht! setzte die Alte hinzu; da behält er das Gut.

Ich würde ihm sagen: Sie heißen Gottlieb, aber Ihnen ist weder Gott lieb! noch sind Sie Gott lieb! wenigstens mir nicht! Zieh’ in den Krieg! rieth ihm Paschalis.

Wenn Ihr mein Vater seid, was ich mir nicht wünsche, so seid Ihr doch werth, daß ich Euch frage: hatte Clementine nicht eine Mutter? lebte sie nicht als Wittwe bei ihr und bei ihm? war sie nicht jung noch und üppig genug? — Ihr hab’ ich ihr Kind jetzt hingetragen! War das nicht werth, daß eine Tochter vor Gram starb? war das nicht werth, daß eine Mutter vom Sarge der Tochter entfloh! —

Alle schwiegen mit stummer Scheu. Dorotheens Worte hatten eingeschlagen. Jeder sah zur Erde, Jedem bebte das Herz.

Paschalis wollte seine reine, unschuldige Dorothee umarmen und rief: Mein einziges Kind! —

Dorothee trat vor ihm zurück. Nun sind wir geschieden! sprach sie. Das Schloß ist Euer — das Schloß betret’ ich nimmer wieder! — Ihr habt die Schulden zu Euren Schulden gemacht; gebt Eurer Martha Schwester ihre tausend Gulden, und mir den Lotteriegewinn, daß ich ihn Johannes wieder erstatte — dann lebt in Frieden! Bedenkt, daß Martha meine Mutter war, und daß Ihr mich in ihr gekränkt und erniedrigt, unaufhebbar! Und wollt Ihr so schenkt dem alten Leinweber einen neuen Baß, so spielt er wieder, und Johannes befährt den alten Rhein.