Freilich, kann ich sagen, sprach ich, Frau und Mann müssen Beide gleich entschlossen seyn, auszuwandern! Das ist die erste Regel! Freilich muß die neue Europäische Noth der alten Asiatischen Noth, gleichsam einer ägyptischen Finsterniß gleich kommen, ehe die Deutschen ihr Ruheland Deutschland verlassen, wie einst Asien, aus welchem sie noch verschiedene Kasten voll und von Noth mitgebracht. Die Deutschen vor allen sind Erdwanderer, vielleicht Erdumwanderer — bis ihre Enkel klug und glücklich durch Californien und das von den herrlichen Menschen volle Sibirien wieder heimkommen! Aber was ist Noth? Wenigstens bei den Deutschen, also auch Menschennoth? . . . . »Noth« heißt bei den alten Deutschen: Fessel, Gewalt und Zwang. Dieses Kleeblatt von der Todes- oder Höllenwiese war ihr tiefstes Unglück! Ihr einziges! Sonst ertrugen sie Alles! Was nicht Fessel, Gewalt und Zwang war, war keine Noth — und Noth bezeichnet, wie ihnen, auch uns noch das tiefste Unglück; das letzte aber auch. Ein Volk von Charakter hat Jahrtausende dasselbe Herz, denselben Sinn. Glauben Sie, Master Erwin, daß der klügste Mann von Rom, Cäsar, ein Esel gewesen ist, oder daß er Luchsaugen gehabt? Und dieser alte Luchs und Fuchs, Cäsar, sagt von den Deutschen: »Ubi fons, campus, nemusve iis placuerit, ibi domos figunt, mox alio transituri cum conjugibus et liberis. Nam diu eodem in loco morari periculosum arbitrantur libertati.« Und schon haben es sich die Deutschen über 2000 Jahre hier zu Lande gefallen lassen.

»Wir Amerikaner haben auch die lateinische Sprache abgethan! Was sagen Sie also, Herr Volkmar?«

Und froh verwundert darüber sagt ich: »Wo ein Quell, Feld oder Hain den Deutschen gefällt, da befestigen sie ein Haus, mit der Absicht bald vorüber zu ziehen mit Weibern und Kindern. Denn lange an demselben Orte zu sitzen, halten sie gefährlich für die Freiheit.« — Wir Deutschen kennen unser Vaterland nicht, blos unser Gasthaus und Wirthshaus. Und schändlich wäre es von Einem Deutschen, Einen Deutschen zu beschuldigen, von Einem Übles zu reden, denn es ist nur geschehn, was sie Alle hier gewollt und gesollt, oder geduldet. Nur vom Übel redet ein Redlicher. Aber davon auch frei. Wohin aber nun unser Zug geht, der unwiderstehliche Zug, aus unerklärlichem Drang und Zwang, wo nun das Zelt aufschlagen? Das ist die Frage!

»Kleinasien, Rußland faßt viele Millionen,« bemerkte der Amerikaner. »Ägypten!« —

Da giebt es nur Einen Stoffehändler. Freier Handel wäre uns lieb! versetzte ich.

— »Griechenland ist schön und öde.« —

Da fürchten wir den Religionskrieg, die Pest.

— »Italien ist nah, und Wüste genug um Rom.« —

Von den Römischen Pfaffen ist den Deutschen alles Unglück gekommen, Beten lehrt uns die Noth schon genug. Den Papst hat ein Nebenzweig von unserem Stamme, die Trojaner und ihre Colonie die Römer, mit aus der Mongolei gebracht. Er ist weit genug geschleppt.

— »Also nach Spanien! Das Hesperien selbst der Hesperiden, der Italiäner. Nicht? — Südamerika? An der Grenze von Peru kauft man ein Königreich um das Geld für ein englisches Pferd. —«