»O mein Gott, was ist, was ist geschehen? O Gotthard, Gotthard, so sprich doch!«

Er riß sich von ihr los, das Gesicht wieder auf seine Arme pressend, ließ er von neuem seine Tränen strömen.

Zu Annas Schrecken gesellte sich ein Gefühl von Hilflosigkeit bei diesem seltsamen Wesen Gotthards, dann von etwas wie Ärger, wie Zorn beinahe, und noch einmal seinen Kopf mit ihren Händen umspannend, um ihn auszurichten und ihm ins Gesicht zu sehen, rief sie:

»Gotthard — aber so rede doch, ich will wissen, was geschehen ist, wenn du nicht sprichst, so werde ich dir böse, böse aus immer — ich will, daß du endlich sprichst!«

Ihre Brauen runzelten sich, ihr kleiner Fuß stampfte auf den Boden und dabei strömten ihr selbst die Tränen über die Wangen. Gotthard mußte endlich den Mund öffnen, er sprach in einzelnen Ausrufungen, in Sätzen, die Anna kaum halb verstand; es kostete ihr Mühe, bis sie alles herausgebracht, bis sie alles wußte.

Nun stand sie vor ihm, kreideweiß, die Lippe bebend, die Brauen fest zusammengezogen.

»So ist es also wahr, was die Leute sagen, daß der Vater so etwas tut!« flüsterte sie. »Das sei erlaubt, so gut wie Schmuggeln erlaubt sei, und beichten brauche man's nicht, sagen sie. Etwa auch nicht, wenn man einen Menschen damit in den Tod treibt? Nein, es ist schändlich, ganz schändlich. Und der Vater soll es nicht mehr tun; und er soll es büßen ... er soll es büßen!«

Sie schwieg und legte ihre beiden Hände an die Schläfen, als ob sie dieselben zusammendrücke, und als ob sie den Gedanken, der da arbeitete, so fester fassen oder schärfen könne; und dann mit einem plötzlichen Auffahren und Sichwenden ergriff sie Gotthards Hand.

»Komm, komm — du gehst augenblicklich mit mir, Gotthard — so wie du bist — und her mit deinem Gift, du abscheulicher, herzloser, entsetzlicher Mensch!«

»Wohin willst du?«