»Ich bin zurückgekommen,« sagte Gotthard, »weil ich von hier aus eilig einen Brief abzusenden habe — bringen Sie mir Schreibmaterialien, hinten in den Garten, in den Pavillon — hören Sie — rasch! sogleich!«
Gotthard schritt, während der Knecht mit einem »Jawohl, Herr!« sich langsam erhob, in den Garten hinein — durcheilte ihn, und bald berührte sein Fuß die ersten Stufen der Treppe, von der herab vor so wenig Stunden noch Anna ihm entgegengeflogen war.
Die Tür stand auf wie gestern; der Abendwind bewegte leise die herabfallenden Ranken des wilden Weines — tiefe Stille herrschte ringsum in der verlassenen, tiefschattigen Gartenecke, in der eine feuchte und dumpfige Luft brütete — eine schwarze Amsel flog aus dem nächsten Strauchwerk quer an der offenen Tür vorüber und stieß, wie geängstigt, einen Schrei aus.
Gotthard trat ein — um auf der Schwelle wie vom Blitz getroffen, wieder zurückzufahren:
»O mein Gott, Anna — du hier?« rief er aus.
Anna saß im Hintergrunde an einem kleinen Tische, der, weil er nur drei Füße hatte, zu seiner Befestigung an die Wand geschoben war. Sie saß da in ihrem grün- und weißgestreiften Kleide, über ein Papier gebeugt, das sie hastig bekritzelte. Es war ein Brief, den sie schrieb, so gedankenverloren, daß sie die Schritte des Kommenden auf dem weichen Kiesgrunde gar nicht wahrgenommen; ein Brief an Gotthard, ein Brief voll Kummer und Schmerz, mit der Nachricht, daß sie in der Überfülle ihres Herzens der Mutter alles bereits gestanden und daß das Ergebnis ganz das sei, was sie am gestrigen Abend Gotthard vorausgesagt, nachdem sie vorher der Mutter die ersten Andeutungen gemacht — die Mutter, die sonst so gut und nachgiebig gegen sie, habe sich ganz verwandelt gezeigt und —
Anna fuhr bei dieser Stelle ihres Briefes empor — sie sah Gotthard vor sich stehen, und erschrocken rief sie:
»Du, Gotthard? du bist's ... du kommst zurück?«
Gotthard war keines Wortes mächtig. Beim Anblick Annas brach all seine Energie, all sein Mannesmut zusammen; wie niedergeschmettert unter dem Drucke des furchtbaren Gewichtes, das auf ihm lag, brach er auf dem Stuhle zusammen, dem er zugewankt war, legte die Arme, den Kopf auf den Tisch und brach in ein furchtbares Schluchzen aus — in einen wahren Strom von Tränen.
Anna stand wie versteinert bei diesem Anblick. Dann holte sie mehrmals Atem, wie um wider eine Erstickung anzukämpfen, faßte mit beiden Händen seinen Kopf und ihn erhebend, ihn an sich drückend, rief sie: