Verehrte Frau Marquise! Der Abend bei Ihnen war deliziös! Um Ihretwillen nehme ich das ganze achtzehnte Jahrhundert in den Kauf; ja, ich wäre geneigt, wenn der Herrgott mich zu seinem verantwortlichen Minister ernennen wollte, es in Permanenz zu erklären.
Die Bekanntschaft mit dem Grafen Vaudreuil, die Sie vermittelten, ist unschätzbar. Ich fahre bereits morgen nach Gennevilliers, um die Bühne zu besichtigen, eventuell in aller Eile, – der Graf gab mir plein pouvoir, – umbauen zu lassen, und dann –!!
Seitdem der aerostatische Globus in die Lüfte stieg und die Brüder Montgolfier sich anschicken, in eigener Person allem, was Flügel hat – den Adlern und den Engeln, den Amoretten und der Phantasie – Konkurrenz zu machen, rückt das Unmöglichste in den Bereich der Möglichkeit, – also auch die Geburt des Kindes meiner Laune.
Sie sollten nur hören, mit welch wahrhaft patriotischem Schmerz unsere Kaffeehauspolitiker die wachsenden Ausgaben erörtern, die die unabweisliche Schaffung einer Luftflotte notwendig verursachen werden, wie sie mit der Ausgestaltung der glücklichen Idee beschäftigt sind, für diejenigen, die vergebens auf einen irdischen Ministerposten warten, ein neues Departement der Lüfte einzurichten, und wie ernste Vaterlandsfreunde sich mit der brennenden Frage beschäftigen, was zu geschehen hat, um England beizeiten zu verhindern, daß es das Reich des Aeolos nicht usurpiert, wie es das des Poseidon bereits usurpierte. Was mich in Gedanken an all die luftigen Zukunftsmöglichkeiten am meisten lockt, ist die Aussicht, ganz sacht emporzusteigen und, mit einem guten Fernrohr bewaffnet, in aller Ruhe dort oben abzuwarten, bis unser Planet sich soweit gedreht hat, damit sich mein Ballon eines schönen Abends auf China herablassen kann. Für französische Dichter, Philosophen und Freiheitsschwärmer muß es ein ideales Land sein!
Marquis Montjoie an Delphine.
Froberg, den 20. Juli 1783.
Meine Liebe! Für Ihre freundliche Erkundigung nach meinem Befinden danke ich Ihnen bestens. Ihr Interesse dafür hätte ich nicht erwartet. Von einer Reise nach Paris will ich in diesem Jahre absehen. Seine Vergnügungen sind mir zu anstrengend und zu kostspielig. Ich ziehe die stille Arbeit in meinem Laboratorium vor. Da Sie vor dem Spätherbst nicht zurückzukehren gedenken, wird es Sie nicht genieren, wenn der Graf Cagliostro, der vor kurzem aus England wieder hier eintraf, sich bei mir aufhält, sobald der Kardinal ihn freiläßt.
Ich wünsche Ihnen so viel Amüsement, als Ihre Gesundheit und Ihr seelisches Gleichgewicht es irgend ertragen kann.
Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Versailles, den 1. August 1783.