Mein Entschluß ist in diesem Punkt unabänderlich. Ich würde sogar vor ernsteren Maßregeln nicht zurückschrecken, wenn Sie sich widersetzen sollten.

Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.

Straßburg, den 30. Januar 1785.

Meine geliebte Delphine! Soeben komme ich von einer stundenlangen Unterredung mit dem Marquis. Ich verschwieg Dir meine Absicht, ihn aufzusuchen, um Dich nicht zu erschrecken. Jetzt schreibe ich Dir, du Einzige, selbst in zitternder Angst, denn an Dir wird es liegen, ob wir uns wiedersehen!

Ich habe dem Marquis nahe gelegt, mich unter den schwersten Bedingungen zum Zweikampf herauszufordern. Er lehnte es mit einem verächtlichen Lächeln ab.

»Wenn es sich um eine bloße Liaison der Marquise handeln würde, könnte vielleicht davon die Rede sein,« sagte er; »ob ich oder Sie am Platze blieben, würde nur ein paar Tränen mehr oder weniger kosten; ein Ersatz für jeden von uns wäre bald gefunden. Aber es handelt sich leider um jene unbequeme Passion, die im Roman schöner ist als im Leben. Glauben Sie, meine Ehre wäre gewahrt, wenn Sie fielen? Glauben Sie, die Marquise würde je wieder in mein Haus zurückkehren? Und halten Sie es für möglich, daß sie über meinem Sarge mit Ihnen, durch dessen Hand ich gefallen sein würde, jemals glücklich zu werden vermöchte?! Nein, die Geschicke der Menschen und der Völker lösen sich nicht mehr durch einen Schwertstreich.«

Ich hatte ihm stumm, gesenkten Hauptes zugehört. Ich mußte ihm recht geben. Als ich dann versuchte, ihn zu einer Trennung von Dir zu bewegen, blieb er unerbittlich.

»Die Marquise kennt meine Antwort, sie hat die Wahl. Nur dann, wenn sie die Folgen ihres Verhältnisses nicht sichtbar werden läßt, bin ich bereit, – da ich auf die Ansprüche des Gatten ein für allemal verzichte –, sie zeitweise in Laval wohnen zu lassen. Kommt das Kind zur Welt, so ist es mein Kind und gehört in mein Haus.«

Du mußt wählen zwischen mir und dem Ungeborenen, zwischen deinem Geliebten und einer Hoffnung, die noch nicht einmal Leben ist.

Wirst du so unbarmherzig sein und gegen unsere Liebe entscheiden? Du kannst mich nicht töten wollen, Delphine; Du kannst Dich nicht in Ketten schmieden! Bei jeder Erinnerung, die uns gemeinsam ist, bei jedem Glauben, bei jedem Gefühl, das wir teilen, beschwöre ich Dich: bleibe Dir treu! Opferst Du mutig die erste Frucht unserer Liebe, so bleibt uns die süße Gegenwart und die Hoffnung auf eine befreiende Zukunft, in der Du glückliche Kinder gebären kannst. Tust Du es nicht, so ist nichts mehr unser als der Schmerz um ewig Verlorenes.