Ihre Freude über das Diamantenkollier, das ich mir erlaubte, Ihnen als erstes kleines Angebinde zusenden zu lassen, war ein so willkommenes Geschenk für mich, daß ich es in der Hoffnung auf seine Wiederholung wage, Ihnen heute diese Perlenschnur zu Füßen zu legen. Möchte sie nicht nur ein Zeichen dafür sein, daß Sie sich mir verbinden, sondern Ihnen auch die Zuversicht einflößen, daß die Fesseln der Ehe Sie niemals stärker drücken werden, als diese Kette.
[DIE SCHLOSSFRAU VON FROBERG]
Marquis Montjoie an Delphine.
Paris, im Juli 1773.
Meine liebe Delphine. Ihr kleiner Brief, den ich als Beilage eines längeren Schreibens meiner Mutter hier vorfand, war mir sehr erfreulich, geht doch aus ihm hervor, daß Sie den Vorsatz gefaßt haben, die ängstliche Scheu mir gegenüber allmählich abzustreifen.
Ich brauche Ihnen nicht noch einmal zu versichern, daß ich sie weder durch mein von aller schuldigen Rücksicht getragenes Benehmen verdient habe, noch daß ich sie erwarten konnte, nachdem Sie mir als eine fröhliche, ja fast allzu kecke, junge Dame bekannt geworden waren. Ihre häufigen, trüben Stimmungen, Ihre Art, sich stundenlang in Ihren Gemächern einzuschließen, durch die Sie die Würde Ihrer Stellung gegenüber den Domestiken in unstatthafter Weise gefährden, weil Sie zu allerlei Vermutungen und Geklatsch den Anlaß gaben, habe ich bisher zu übersehen versucht, da ich ihre Ursache in der Trauer um Ihren verehrten Vater zu finden glaubte. Die Marquise Montjoie, die Herrin meines Hauses, darf sich jedoch auf die Dauer solchen Empfindungen eines kleinen Mädchens nicht hingeben. Ich wünschte, daß Sie darauf bedacht sein mögen, in Ihrem Benehmen mehr Haltung zu zeigen.
Durch eine Bemerkung in dem Briefe meiner Mutter, sehe ich mich genötigt, diesem Wunsch besonderen Nachdruck zu verleihen. Sie schreibt wörtlich: 'Meine gute Schwiegertochter scheint an der Unterhaltung mit Monsieur Gaillard viel Gefallen zu finden'. Daraus schließe ich, daß Sie vergessen haben, was ich Ihnen über die Stellung Gaillards in unserem Hause gesagt habe. Mein verstorbener Bruder, dessen Sorge um diesen seinen illegitimen Sohn eine um so größere war, als dessen unglücklicher, körperlicher Zustand ihn für alle bemitleidenswert machte, sprach in seinem Testament den Wunsch aus, daß ich ihm auf Froberg eine gute Erziehung und eine dauernde Unterkunft gewähren möchte. Selbstverständlich ist es ihm dabei nicht eingefallen, irgend welche Art von Familienzugehörigkeit für Gaillard zu verlangen; meine Mutter und ich sind stets bemüht gewesen, die scharf gezogenen Grenzen des Respekts aufrecht zu erhalten, was oft nicht leicht war. So wurde Gaillard ein nicht unbrauchbarer Haushofmeister, also nichts anderes als der erste unter den Bedienten.