Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Besançon, am 23. Juli 1789.
Geliebteste! Auf dem Wege zu Dir, – die Angst läßt mich jede Rücksicht vergessen –, habe ich hier flüchtig Station machen müssen. Mein Kurier ist beauftragt, Dir diese Zeilen zu überbringen und mich zu erwarten. Die ganze Provinz ist in Aufruhr. Die brennenden Schlösser erhellen, ungeheueren Fackeln gleich, die gewitterschwangeren Nächte. Ich entging mit knapper Not der Raserei der Bauern, die Ambly, wo ich übernachtete, anzündeten. Sie banden mich, sodaß ich hilflos daneben stehen mußte, als sie dem Chevalier das Herz durchbohrten und seiner unglückseligen Frau die Kleider vom Leibe rissen. Vergaß man mich im Taumel der Plünderung? Half mir ein unbekannter Freund? Ich weiß es nicht. Irgend jemand zerschnitt meine Fesseln; ich fand mein Pferd und jagte hierher, wo ich mich verbinden ließ. Ich hatte der Wunde am Arm bisher nicht geachtet.
In vierundzwanzig Stunden hoffe ich bei Dir zu sein. Rühre Dich nicht aus der Burg. Laß vom Wartturm die Fahne wehen zum Zeichen, daß Du da bist.
Prinz Friedrich-Eugen Montbéliard an Delphine.
Montbéliard, den 6. August 1789.
Es ist vorüber. Ich habe abgeschlossen. Nur eins bleibt mir übrig: der Abschied von Dir! Du hast gegen mich entschieden, Delphine. Jede Stunde des Tages und der Nacht sehe ich den Augenblick noch vor mir, der über unser Leben das letzte Urteil fällte.
Wie alles gekommen ist, wird mir ewig dunkel bleiben, denn Gaillards Mund verstummte auf immer. Ich habe seine Leiche auf meinem Pferde hierher geführt und hier begraben. Der Marquis hätte sie von den Wölfen im Wald zerfleischen lassen.
Die Burg brannte schon, als ich kam. Gaillard rief mir mit dem Ausdruck strahlender Zuversicht nur zwei Worte zu: »Im Palais!« Ich stürzte in den Park, ich rüttelte wie ein Wahnsinniger an den verschlossenen Läden; das morsche Holz gab nach; ich lief, Deinen Namen rufend, durch die moderduftenden Räume –, Du warst nicht da. In großen Sprüngen jagte ich zurück.
Dicht vor den niederprasselnden Balken stand der Marquis, das Gesicht blutüberströmt, auf dem einen Arm den weinenden Knaben, in der anderen Hand die rauchende Pistole, Gaillard, ein Sterbender, ihm zu Füßen, Du, wie leblos an sein Knie Dich klammernd.