Euer Gnaden können ohne Sorgen sein. Die Schreiberseele des Mercure de France hat natürlich die Provinz schaudern machen wollen. Es bestand keinerlei Lebensgefahr. Der Degen des Grafen Guy Chevreuse hat nur die Wange Seiner Erlaucht ein wenig zerschlitzt und ihm einige Unzen Blut abgezogen. Das dürfte nicht ungünstig sein, sondern die allzu große Hitze des Prinzen kühlen.
Über die Ursachen des Duells weiß selbst der Kammerdiener, dessen hingebendste Freundschaft ich mit einigen weiteren Louisd'or gewann, nichts Bestimmtes. Das eine nur scheint gewiß: Der Streit entstand im Hotel der Demoiselle Guimard, derselben schönen Dame, die der Prinz gestern empfing. Es scheint darnach in Paris Mode geworden zu sein, daß auch der männliche Teil der vornehmen Welt im Bett Audienz erteilt.
Ich selbst bin, da Euer Gnaden mir nicht gestatteten, den Namen derjenigen, die mich sandte, einem anderen als dem Prinzen selbst zu nennen, natürlich nicht empfangen worden. Es war nur die Folge meiner eigenen Dummheit. Morgen werde ich den simplen Gaillard mit irgendeinem sieben- oder neunzackig gekrönten Namen vertauschen und man wird nicht die Hinterpforte, sondern die Flügeltüren weit vor mir aufreißen.
Ich lasse dann sofort einen zweiten Kurier dem heutigen folgen.
Gestatten mir Euer Gnaden, meiner unvergänglichen Dankbarkeit und Ergebenheit Ausdruck zu verleihen. Ich bedaure, der Frau Marquise nicht mehr opfern zu können, als ein paar Pferdebeine.
Lucien Gaillard an Delphine.
Am 22. März 1774.
Hochzuverehrende Frau Marquise. Soeben verlasse ich den Prinzen. Meine Eröffnung ließ ihn vom Bett emporschnellen. Ich konnte mich von der gesunden Menge von Blut überzeugen, das seine Adern noch füllt, denn es ließ sein Gesicht wie ein Feuer glühen, als ich zuerst Ihren Namen nannte.
»Schreiben Sie Ihrer Gebieterin«, sagte er, »daß ich jetzt nichts sehnlicher wünschte, als wirklich todkrank zu sein, um von ihr und ihrer rührenden Sorge um mich dem Leben zurückgewonnen zu werden.«
Fast drei Stunden hielt er mich fest. Er hörte nicht auf, mich auszufragen, mir zuzuhören. Ich durfte mich glücklich schätzen, daß Euer Gnaden Erscheinung sich mir so unauslöschlich eingeprägt hat, und ich imstande war, jeden Blick, jedes Lächeln, jede Bewegung zu schildern, so daß Seine Erlaucht mir versicherte, die Farben Bouchers könnten nicht lebensvoller malen, als meine Worte. Eine Demoiselle Raucourt, die sich während meines Besuchs melden ließ, hat er mit einem so verächtlichen Stirnrunzeln abweisen lassen, daß sie nicht wiederkommen würde, wenn sie es gesehen hätte.