Hiermit sende Ich Ihnen, schönste Marquise, Ihre Rolle als Daphnis. Die Königin ist entzückt in dem Gedanken an Ihre Mitwirkung, und ich – oh, es gibt keinen Ausdruck für meine Empfindung!

Delphine lacht über Guys Liebesschwüre – Daphnis wird sogar Philidors Zärtlichkeit dulden müssen!

Graf Guy Chevreuse an Delphine.

Versailles, am 15. August 1775.

Holdseligste! Noch fühle ich Ihren Atem auf meiner Wange, Ihren schwellenden Körper in meinen Armen, und Ihre Lippen, kühl und weich wie Rosenblätter auf meinem glühenden Mund. War es nur Daphnis, war es Delphine?!

Ach, als ich noch trunken vor Seligkeit im Schatten der Kulissen Ihnen zu Füßen sank, bereit, für ein zärtliches Wort mein Blut tropfenweise zu verspritzen, rissen Sie mich mit Ihrer Frage: »War Friedrich-Eugen unter den Zuschauern?« aus allen Himmeln. Als ich durch stummes Nicken bejahte, tief verletzt durch Ihr dauerndes Interesse an einem unliebenswürdigen Sonderling, und meine Leidenschaft die quälende Frage laut werden ließ: »Lieben Sie den Prinzen?« Da erfüllte mich Ihre rasche Antwort: »Ich hasse ihn!« mit neuer seliger Hoffnung. Und als Sie, an mich geschmiegt, strahlend von Schönheit, leuchtend von Übermut, vor dem entzückten Hof erschienen, und ein leiser Druck Ihres Arms mir die Erlaubnis gab, neben Ihnen bleiben zu dürfen, fühlte ich mich dem schwindelnden Glück Ihres Besitzes nahe.

Ihr kühler Abschied im Morgengrauen stürzte mich wieder in ein Meer von Zweifeln. Retten Sie einen Schiffbrüchigen, und wenn Ihnen das nicht der Mühe wert erscheint, die Hand auszustrecken, so retten Sie Ihre eigene blühende Jugend! Erinnern Sie Sich, süße Delphine, daß Ihre Schönheit zwar göttlich, Sie aber trotzdem nicht unsterblich sind! Soll der Frühling ihrer Jugend welken, noch ehe die Sonne der Liebe den Sommer entfaltete?

Sie leiden; ich weiß es; denn ich kenne alle Qualen wie alle Wonnen des Herzens. Die Sehnsucht glänzt aus Ihren Augen, glüht aus Ihren Fingerspitzen.

Wenn ich die Rosen, die ich Ihnen sende, heute abend an Ihrem Busen wiedersehe, soll mir das ein Zeichen süßester Hoffnung sein. Mag dann immerhin Guiberts Trauerspiel, dem der ganze Hof mit Spannung entgegensieht, so langweilig sein, wie seine Kriegskunst, ich werde es unterhaltend finden; Sie werden also, reizende Daphnis, nicht nur für Ihres Schäfers Glück, sondern auch für des Dichters Ruhm verantwortlich sein.