"So unendlich glücklich und froh ich hier im liebenden Kreis der Familie lebe, so sehr werde ich mich dennoch freuen, mein liebes Weimar mit seinen freundlichen Bewohnern wieder zu begrüßen, denn ihm gehört ein großer Theil meines Herzens, — Sie, liebes Fräulein Jenny, wiederzusehen, wird mir eine wahre Herzensfreude sein.
Ihre Helene."
Etwas später bekam Jenny ein Gipsrelief der Freundin mit diesen Zeilen:
Ludwigslust, den 27. Sept. 1834.
"Um einen freundlichen Blick meiner lieben Jenny möchte ich bitten, indem ich ihr das unbedeutende Dingelchen in die Hand drücke, welches meine Züge vor ihre Augen führen möchte. Ruhen sie von Zeit zu Zeit auf dem kalten toten Gips, so werden sie auch Leben hinein hauchen und die Seele hervorrufen, die es verbirgt, die die Ihrige liebt und versteht und sich in froher Vergangenheit vertraut mit ihr fühlte.
"Mag auch jene Vergangenheit immer mehr zur Vergangenheit werden — mögen gleich tausend Eindrücke das Gemüth berühren, sie wird nimmer zurückgedrängt, sondern wie ein Glanzpunkt meines Lebens mir theuer und unvergeßlich bleiben. Sie, liebe Jenny, waren eine der freundlichsten Erscheinungen derselben, und Ihr Andenken wird sich nie verwischen, es erweckt nur den Wunsch in mir, Ihnen näher treten zu können, und tiefer noch in Ihre liebliche zarte Seele blicken zu dürfen.
"Sollte uns auch eine lange Zeit trennen, ich glaube, wir werden uns doch immer wieder verstehen und gleich nahe stehen. Meine innigsten Wünsche für Ihr Glück werden Sie umgeben. 'Es gehe dir nie anders als wohl,' sage ich mit Jean Paul, 'und die kleine Frühlingsnacht des Lebens verfließe ruhig und hell — der überirdische Verhüllte schenke dir darin einige Sternbilder neben dir und nicht mehr Gewölk, als zu einem schönen Abendrot vonnöten ist!' Denken Sie, wenn Ihr Herz sich freut, auch einmal an
Ihre Helene."
Bald darauf wurde Helene von einem für sie, der die Mutter schon sehr früh gestorben war, doppelt großen Unglück betroffen, das wie eine Vorahnung des künftigen, noch größeren, erscheint: infolge eines Sturzes vom Pferde starb ihr zärtlich geliebter Bruder Albrecht. Jenny schrieb ihr voll warmen Mitgefühls und bekam diese Antwort:
Ludwigslust, den 12. Nov. 1834.