Er sah verwundert von der Arbeit auf. »Wenn dir soviel daran liegt, bedarf es gar nicht der tragischen Gebärde!« antwortete er ruhig.
Nun erschien mir mein Wunsch doch im Lichte sträflicher Vergnügungssucht. Ich mußte mich und ihn beruhigen, der nicht anders denken mochte: »Ich werde Berichte schreiben, — neue Beziehungen anknüpfen. Vielleicht verschaffe ich mir sogar bei der Gelegenheit die Korrespondenz für ein englisches Blatt.«
Der Gedanke besonders elektristerte mich: das wäre doch eine Sicherheit, wenn die Neue Gesellschaft zusammenbräche.
Kurz vor meiner Abreise besuchte uns Reinhard. »Ich lese Ihren Namen unter denen der Journalisten, die nach England fahren,« begann er erregt.
»Gewiß,« entgegnete ich, »und was haben Sie dagegen? Keine der berühmten bindenden Parteitagsresolutionen hindert mich daran!«
»Aber Ihr Gefühl müßte es tun,« brach er los; wollen Sie sich denn gewaltsam jeden Vertrauens berauben?! Kein Genosse wird es begreifen, daß Sie mit einer Reihe unserer ärgsten Gegner gemeinsame Sache machen!«
»Schlimm genug, wenn dem wirklich so sein sollte!« rief ich aus. »Haben wir nicht auf dem Heimarbeiterschutzkongreß mit Gegnern zusammen gearbeitet, tun wir es nicht dauernd im Parlament? Und mir sollte es verdacht werden, wenn ich mich an einer Reise beteilige, deren Zweck durchaus im Interesse der Partei liegt? Wir Mitreisenden sollen uns doch nicht untereinander verbrüdern; uns wird nichts als die Gelegenheit geboten, es mit aufrichtigen Friedensfreunden in England zu tun.«
»Das mag alles so sein, wie Sie sagen,« antwortete er, »trotzdem dürfen Sie — gerade Sie, deren Stellung doch schon schwierig genug ist — nicht als einzelne der Empfindung der Massen entgegenhandeln.«
Ich warf den Kopf zurück. Jetzt erst wußte ich, daß diese Reise nicht nur meine persönliche Angelegenheit war. »Ich verstehe Ihre gute Absicht,« sagte ich, »aber wenn etwas mich in meinem Vorhaben noch bestärken könnte, so sind es die Gründe, durch die Sie mich davon abbringen wollen. Nichts ist mir von jeher so verächtlich gewesen wie Lakaiengesinnung, gleichgültig ob sie vor dem einzelnen oder vor der Masse zum Ausdruck kommt —«.
»Ich mute Ihnen doch nicht Lakaiengesinnung zu!« unterbrach er mich heftig.