Von der Station fuhren wir mit dem Wagen bergauf durch dichte Tannenwälder. Mein Sohn verstummte und schmiegte sich an mich. Ob ihn nun der Abschiedsschmerz packen würde? Das Herz klopfte mir erwartungsvoll. »Ein bißchen geniere ich mich doch vor den fremden Jungens,« meinte er.

Oben auf der Hochebene, wo der Wind über freie Felder strich und mit den kleinen runden Frühlingswölkchen spielte wie ein Kind mit dem Fangball, verlor er seine scheue Stimmung wieder.

»Wie wunder — wunderschön das ist,« sagte er mit einem Blick in die Ferne.

In stiller großer Einsamkeit reihte sich Berg an Berg; die kleinen grauen Menschenwohnungen verschwanden in den tiefen Tälern.

Der Direktor begrüßte uns wie vertraute Freunde. Die Schüler betrachteten aus gemessener Entfernung den Ankömmling. Er umfaßte wie schutzsuchend meine Hand. Jetzt, — jetzt wird er bei mir zu bleiben verlangen! — Da trat ein brauner Bursche aus der Schar.

»Sieh mal die Wiese dort,« sagte er zu meinem Jungen und wies auf den gelbblühenden Abhang, der sich hinter dem Hause in die Tiefe senkte; »willst du da hinunter mit mir um die Wette laufen?«

Und im selben Augenblick, — kaum daß er Zeit gefunden hatte, mir Mantel und Mütze zuzuwerfen, — flog er mit ihm davon. Wie heller Sonnenschein tanzten ihm die blonden Locken um den Kopf. Ich starrte ihnen nach. Mir gingen dabei die Augen über. Hinter den Fichtenstämmen, — weit, weit im Tal, erloschen sie.

»Er wird sich rasch zu Hause fühlen,« sagte der Direktor.

Er wird sich rasch zu Hause fühlen —!

Ich verließ Waltershof schon am nächsten Morgen. Jede Stunde, die ich blieb, kam wie ein verschlagener Räuber und stahl mir stückweise mein Liebstes.