Nur eins erfüllte mich mit tiefer Bitterkeit: daß auch Romberg nicht wiederkam. Er hatte eine Auseinandersetzung mit meinem Mann gehabt, bei der seine lange im stillen herrschende Feindschaft gegen ihn zu offenem Ausbruch gekommen war. Ich erfuhr nicht viel davon. Aber um mich mochte sich's gehandelt haben und darum, daß Romberg meinem Mann vorwarf, unser Unglück verschuldet zu haben, und dieser sich jede Einmischung in unser Tun und Lassen verbat. War das Grund genug, um mich gerade jetzt im Stich zu lassen? Und an seine aufrichtige Freundschaft hatte ich geglaubt!
Ein Ostermorgen war es, hell und leuchtend. Ein Auferstehungsfest, das die geflügelten Musikanten der Natur mit hundertstimmigem Gesang begrüßten. Mit lauter lustigen goldgelben Flecken bedeckte die Sonne den Erdboden unter den Kieferstämmen. Wir gingen durch den Grunewald nach Schildhorn, mein Sohn und ich. Wie er sich freute! Jedes armselige Blümlein, das der karge Sand hervorsprießen ließ, bewunderte er. Und die Luft, die ein Odem erwachenden Lebens war, sog er ein mit tiefen durstigen Zügen.
»Ich hasse die Stadt,« sagte er mit der ganzen Energie seiner zehn Jahre. »Warum können wir nicht auf dem Lande leben?«
Das war der rechte Augenblick, um ihm von Waltershof zu sprechen, der Schule im Thüringer Wald. Mit stockender Stimme begann ich, und erzählte von dem freien Leben dort und den vielen Kindern.
Seine Augen glänzten. »Das denke ich mir riesig fein!« rief er.
»Möchtest du am Ende gar selber hingehen?« fragte ich zögernd.
Er machte einen Luftsprung. »Natürlich! Aus der scheußlichen Stadt heraus auf die Berge, — was gibt es Schöneres!«
Ich hätte mich freuen müssen, — aber die Tränen traten mir in die Augen. So würde ihm der Abschied nicht allzu schwer werden!
Ein paar Tage später reisten wir ab. Er war wie umgewandelt; in leuchtenden Farben malte er sich das Leben aus, das seiner wartete. Zuweilen schien er zu stutzen, wenn er mich ansah.
»Und du besuchst mich oft, sehr oft, nicht wahr, Mamachen? Und zu den Ferien komme ich immer nach Haus?« sagte er dann, im Gefühl, mich trösten zu müssen.