»So lassen Sie doch den Verein zugrunde gehen; sein Märtyrertum wird nur der großen Sache nützen!« rief ich ungeduldig. Mitleidiges Lächeln, mißbilligendes Kopfschütteln waren die Antwort. Es blieb bei der Ablehnung, das letzte Argument war ausschlaggebend gewesen.
»So werde ich versuchen, Helma Kurz und ihren Verein zu gewinnen.« Ohne jeden Nebengedanken hatte ich ausgesprochen, was mir eben durch den Kopf gegangen war.
Frau Vanselow, die mir bisher nur vielsagend-melancholische Blicke zugeworfen hatte, war aufgesprungen. »Helma Kurz?! — Niemals!« rief sie. »Das, meine Damen, werden Sie nicht zugeben!« Eine erregte, von allen zugleich geführte Debatte entspann sich. Ihr Resultat war, daß der Verein als solcher sich statutengemäß für die Stimmrechtsfrage nicht engagieren könne, daß er jedoch unter der Hand das Arrangement und die Kosten einer öffentlichen Versammlung und seine Vorsitzende ihre Leitung übernehmen wolle.
Ich mußte mich nur noch verpflichten, meinen Vortrag vorher in extenso der Zensur des Vorstandes zu unterwerfen.
Nicht wie eine Siegerin kam ich nach Hause. Vergebens suchte Georg mich zu trösten: »Das Wichtigste ist doch, daß du die Sache durchgesetzt hast!«
»Meinst du? — Wenn aber der Sache die Träger, die Menschen, fehlen?!«
»Bist du nicht da? — Und bin ich nicht bei dir?« Er streichelte mir leise den herabhängenden Arm, eine Bewegung, bei der mich immer ein Gefühl tiefer Ruhe überkam.
Dankbar küßte ich seine Stirn, — unter meinen Lippen stieg es auf wie eine Flamme.
»Sag, Georg — lieber Georg — sag es mir ganz ehrlich —« flüsterte ich und trat beschämt von ihm zurück, »hast dus nicht gern, wenn ich dich küsse?«
Mit einem langen, tiefen Blick aus dunkel erweiterten Pupillen sah er zu mir auf. Und ich sank vor ihm in die Kniee, preßte das erglühende Gesicht in die schwarze Pelzdecke und fühlte, wie seine zitternden Finger mir zärtlich die Locken von den Schläfen strichen ...