Ich lag in seinem Arm, und die Töne schienen uns zu tragen. »Alix — ich liebe dich,« hauchte mir im weichen Takt der Bewegung seine Stimme ins Ohr — »verzehrend lieb ich dich — ich laß dich nicht los — nie — nimmermehr —« Sein heißer Atem berührte mich wie ein zärtlich kosender Kuß, und meine Haare wehten um seine Wangen.

»Durchlaucht — Galopp — wenn ich bitten darf! « hörten wir plötzlich neben uns sagen. Aufatmend standen wir still, — wir hatten wirklich das strenge höfische Walzerverbot vergessen! Im gleichen Augenblicke trat der Kammerherr der Großherzogin auf uns zu: »Ihre Königliche Hoheit befehlen —«

»Mich auch?« frug Hellmut. Er senkte bejahend den Kopf, während ein leises malitiöses Lächeln seine Lippen kräuselte. Sollte die schöne Fürstin so konventionell sein und unser Vergehen gar noch persönlich rügen wollen?

»Sie tanzen bezaubernd, — ich mache Ihnen mein Kompliment, Fräulein von Kleve!« sagte sie laut, als ich in tiefer Verbeugung ihre Hand an die Lippen zog. »Die mecklenburger Damen können sich ein Beispiel nehmen!« Die Umstehenden horchten hoch auf.

»Tanzen Sie noch einmal denselben Walzer, lieber Prinz, den man offenbar nur verbietet, weil man ihn zu tanzen nicht versteht.«

Wie auf Kommando bildete sich ein weiter Kreis um uns. Und wir tanzten. Aber ich fühlte die vielen musternden, neidischen, feindseligen Blicke, die mich betasteten, wie mit feuchtkalten Fingern, und durchbohrten, wie mit Nadelstichen. Ein Schwindel packte mich — fester, immer fester lehnte ich mich in Hellmuts Arm — er trug mich mehr, als daß ich tanzte.

»Führen Sie Ihre Tänzerin auf die Terrasse, — das wird ihr gut tun —« sagte die Großherzogin, als ich mich blaß und zitternd wieder verbeugte. Ein Ton war in ihrer Stimme, der mich auffahren ließ, — hatte sie unser Geheimnis erraten?

Wir gingen hinaus. Viele bunte Lampions erhellten die Terrasse und den Burggarten, plaudernde Gruppen standen ringsumher. Wir aber suchten die Nacht und die Stille. Tief unten schmiegte sich ein von weißen Blüten übersäter Strauch an die dunkle Mauer, und ein schwerer süßer Duft breitete sich rings um ihn. Jasmin — meine Blume!

Weißt du noch, Hellmut, wie du übermütig in die Zweige griffst und ein Regen schneeiger Blätter mir auf Schultern und Haare fiel? und wie sie matt zu Boden taumelten vor dem heißen Hauch deines Mundes? Du preßtest mich wild an dein Herz, daß der Atem mir stockte, — du hättest mich morden können in jener Nacht, — mit einem Liebesblick hätt ich es dir vergolten. »Warum sagst du mir nicht, daß du mich liebst — warum bist du so still?« frugst du, und ich seufzte, den Arm fest um deinen Hals: »Ich kann dirs nicht sagen — ich kann nicht — ich liebe dich viel — viel zu sehr!«

Droben tanzten sie wieder — wir sahen die Paare hinter den hellen Fenstern vorüberschweben —, und eine Melodie verirrte sich zuweilen bis zu uns. Wie mit kosenden Stimmen antworteten ihr die Wellen, die plätschernd ans Ufer schlugen, und fern von den hohen Baumwipfeln des Parks klang hie und da ein verträumtes Vogelzwitschern. Immer verzehrender glühten unsere Augen ineinander, verlangender, sehnsüchtiger wurden unsere Küsse.