Dies geschah; es wurde trefflich bestanden. Vierzehn Tage hatte Martha danach noch in dem gastlichen Wernerschen Hause verlebt; morgen sollte sie nach M. reisen, um die neue Stelle anzutreten. Sie saß noch einmal mit allen Wernerschen Geschwistern nach Tische in der Hinterstube in wehmütigen Abschiedsgesprächen.
„Den Ajax lasse ich Ihnen, Wilhelm! Sie haben ihn immer gern gehabt; du, Suschen, bekommst meine Vögel.“ Für die anderen hatte sie Blumenstöcke, Bücher, Bildchen. Die Nußbaumkommode kam in die Dachkammer zu den anderen Möbeln, um dort geborgen zu werden, bis ihre Besitzerin sie wieder gebrauchen konnte.
Gegen Abend wanderte Martha an Suschens Arme hinaus zum Grabe der Mutter und weinte dort heiß und lange; beim Abschied von Berlin hatte sie die Mutter noch zur Seite gehabt; beim Abschied von dieser hatten Werners sie in ihre Arme genommen; zum erstenmale zog sie jetzt allein hinaus in eine unbekannte Fremde; das war sehr schwer, und es währte lange, bis durch die dunklen Wolken ihrer Trübsal das Verheißungswort wie ein klarer Stern schimmerte: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Die Kinder hielten indessen zuhause große Beratung: „Wir müssen doch heute Abend eine Abschiedsfeier halten. Es ist schade, daß Suse ganz bei Martha ist, die wüßte schon was!“
„Wenn wir was sängen?“ sagte Luischen.
„Ja, aber was?“
Arthur stimmte an: „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein.“
„Das geht nicht“, sagte Wilhelm, „wir werden schwerlich welchen bekommen heute Abend.“
„So leb’ denn wohl, du altes Haus!“ riet Anna.
„Na, dies noch“, rief Hans, „da könnte sie ja denken, sie wäre mit dem alten Hause gemeint.“