„Aber Fanny, das ist doch nicht schlecht, das Buch gehört den Kindern!“
„Sie können aber im Walde ohne Buch vergnügt sein, und ich langweile mich hier.“
„Hast du denn schon all’ diese Bücher und Bilder besehen?“
„Ach, die mag ich nicht!“
„Vielleicht interessieren sie dich mehr, wenn du sie mir zeigst.“
Es lag ein ganzes Heft mit Bildern aus B. obenauf. Martha kannte jedes Gebäude, wußte von jedem einzelnen etwas zu erzählen, was ihrer kleinen Zuhörerin Freude machte, bis diese ihr Leid vergaß und der unliebenswürdige Zug in ihrem Gesichtchen dem Ausdruck von Spannung, Interesse und Fröhlichkeit wich.
Frau v. Märzfeld trat mit Frau Amtsrätin Rösner zugleich später in die Veranda; es erfolgte die gegenseitige Vorstellung und dann begann ein Gespräch, aus dem Frau v. Märzfeld Marthas Lebenslage und ihre Pläne erfuhr.
Am anderen Morgen nach dem Bade bat sie Martha um eine Unterredung und schlug ihr vor, im Herbst als Lehrerin bei Fanny einzutreten: „Der Arzt sagt mir heute, daß ich das Kind nach dem Süden bringen muß; ich denke mit ihr im Winter nach der Schweiz zu gehen und möchte eine Deutsche mitnehmen, die sie unterrichtet und sich ihrer Pflege widmet; und da Fanny Vertrauen zu Ihnen zu haben scheint, wäre es mir lieb, wenn Sie die Stelle annähmen. Sie müßten dann natürlich die leibliche Pflege des Kindes ganz mit übernehmen, denn zwei Personen kann ich nicht für sie halten!“
Wie umfangreich die Pflichten sein würden, die sie hierdurch übernahm, konnte Martha natürlich jetzt noch nicht übersehen, aber es erschien ihr natürlich als eine Erleichterung, die unangenehme Wärterin los zu werden. Der Gedanke, die Schweiz zu besuchen, vielleicht den Genfer See mit seinen großartigen Umgebungen zu sehen, hatte für ihre jugendliche Phantasie viel Verlockendes; Fanny selbst schien große Freude an der Aussicht zu haben, und so versprach Martha, gleich nach der Heimkehr mit Werners zu reden und mit ihnen zu überlegen, ob es geraten sei, den Vorschlag anzunehmen.
Suschen war betrübt: „Ich hoffte, du solltest bei uns bleiben bis zu meiner Hochzeit!“ Aber ihre Eltern, so gern sie Martha noch behalten hätten, fanden es doch verständig, auf die Sache einzugehen, die so ungesucht sich bot, natürlich unter der Bedingung, daß erst das Examen gut vollendet sei.