Wilhelm überlegte: „Wir singen es nach der zweiten Hälfte von ‚Ich hatt’ einen Kameraden‘ und wiederholen das immerzu; da paßt es vorzüglich.“
Als die Freundinnen nachhause kamen, war der Kranz gewunden, die Musikanten aufgestellt und die Musik begann; aber so wenig die Scene auf Rührung angelegt war, sie erinnerte Martha an die Empfangsmusik vor zwei und einem halben Jahre; sie konnte dem nicht wehren, daß ihre Augen feucht wurden, und dies steckte an.
Der Direktor trat herein.
„Na, Kinder, macht euch das Herz nicht schwer; mir thut es auch leid, daß meine Pflegetochter fortgeht; aber hoffentlich denkt sie daran, daß sie hier stets ein Elternhaus und Elternherzen finden kann, so lange wir leben, und da giebt es ja doch wohl manches Wiedersehen. Heute Abend gebe ich eine Flasche Wein zum besten, da trinken wir Marthas Gesundheit!“
Großer Jubel!
„Dann können wir wirklich singen: ‚Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein!‘“
„Ja, das könnt ihr!“ versicherte der Vater.
Martha fühlte in dem allen die Liebe, die ihr hier eine Heimat bereitet, und das machte ihr das Scheiden so schwer.
Als sie mit Suschen abends allein in dem trauten Stübchen war, das so viele Herzensergüsse belauscht hatte, da flossen freilich reichliche Thränen; aber Martha konnte nicht anders als danken, immer wieder danken für allen Segen, der ihr unter diesem Dache widerfahren war.