„Bleiben Sie auch die Nacht über hier?“
„Ich weiß noch nicht Bescheid im Hause; aber ich glaube, mein hübsches Zimmerchen muß ganz in der Nähe sein!“
„Vielleicht ist es nebenan, Fräulein Feldwart? O bitte, öffnen Sie einmal die Thür und sehen Sie zu, ob es so ist!“
Es war so! zu Fannys großem Jubel!
„O nicht wahr, Sie lassen die Thür ein klein, klein wenig offen? Katharine schläft zwar hier in der kleinen Kammer und giebt mir, was ich gebrauche; aber es wäre zu schön, Sie so nahe zu haben!“
Martha versprach dies gerne. Nichts hätte sie am heutigen Abend so sehr trösten können, als die Überzeugung, daß sie der kleinen Kranken lieb und nötig sei, und sie bat Gott innig, er möge ihr Kraft geben, dem Kinde in der rechten Weise beizustehen.
Jetzt rauschte es auf der Treppe, und in einem schweren, dunkelblauen Seidenkleide, äußerst passend und geschmackvoll angethan, erschien Frau v. Märzfeld, um ihrer Kleinsten „gute Nacht“ zu sagen. Sie war wirklich eine auffallend stattliche Erscheinung, besonders fand Martha dies, als sie sich mit zärtlichem Mitleid über das kranke Kind beugte. Sie sah freundlich auf Martha, die von ihrem Stuhl aufgesprungen war, um der Mutter Platz zu machen.
„Nun, haben Sie sich schon ein wenig zusammen befreundet?“
„Ich denke, gnädige Frau, und ich hoffe, wir werden es mit jedem Tage mehr thun.“
„Das würde mir ganz außerordentlich lieb sein; dies kleine Wesen kann Licht und Hitze und Geräusch nur wenig ertragen, und doch ist es meine Pflicht, um ihrer Schwestern willen in der Gesellschaft zu leben. Es wäre mir eine große Beruhigung, sie nicht verlassen zu wissen. Aber plaudern sie nicht zu lange mit ihr, nach zehn Uhr muß sie schlafen.“