„Beten?“ fragte das Kind verwundert.

„Ei, wir müssen uns doch beim lieben Gott bedanken für alle die guten Gaben, und müssen ihn bitten, daß er uns ferner nicht verläßt!“

Fanny nickte ernsthaft.

Martha sprach einfach: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!“ Dann begann das Souper.

Die Kleine hatte keinen frischen Appetit; Martha mußte ihr zureden, ein wenig zu nehmen; aber das half zuweilen.

Man hörte jetzt Räder rollen und verschiedene Kutschen vor dem Hause anfahren; es wurde unruhig unter ihnen.

„Mama hat heute Gesellschaft; ich schlafe auch nicht eher, bis Lucie mir Eis und Konfekt heraufgebracht hat; das thut sie jedesmal!“

Martha zweifelte, ob es weise sei, dem kränklichen Kinde, das kein Verlangen nach einfacher, nützlicher Nahrung hatte, Dinge zu bringen, die ihr den Magen noch mehr verderben mußten; aber für heute mußte sie sich ja noch aller Eingriffe enthalten. Sie bat nur: „Lege dich immer einstweilen nieder, Fanny. Du ruhst besser, und ich bleibe hier neben deinem Bette!“

Das Hausmädchen kam jetzt und Martha ließ sich das Nachtzeug des Kindes bringen.

„Ich will sie heute einmal selbst auskleiden!“ sagte sie. Ihre leichte, geschickte Hand bewährte sich auch hier; Fanny jammerte wenig und erklärte sich zufrieden mit ihrem Beistande.