„Warum haben Sie mich nicht früher geweckt?“ sagte Margarete.

„Sie mußten durch diesen Sommer allein hindurch, Herzogin Margarete,“ sagte Schenna.

Der Frauenberger quäkte: „Wie schade, daß Sie schon Schluß gemacht haben, Herzogin Maultasch! Er war ein hübscher Junge, gelblichweiß, südlich. Und Ihnen so hemmungslos ergeben. Das findet sich nicht alle Tage. Was haben Sie hier? Arbeit, Dreck, Mist. Hätten Sie die Münchner Lausbuben ihren Fasching ruhig zu Ende hetzen lassen. Die wären schon von allein an ihrer Tollheit erstickt.“

Die Herzogin fuhr beschwerlich in schneereichem Januar nach München, sich das Gewese der bayrischen Artusrunde an Ort und Stelle zu beschauen. Mit Mißtrauen, Zurückhaltung, starrer Höflichkeit wurde sie in der Hauptstadt empfangen. Meinhard, als sie fester zupacken, klare Auskunft von ihm haben wollte, drückte herum, blöde lächelnd, sagte, er regiere zusammen mit seinen ritterlichen Kameraden, stammelte etwas von Weiberregiment, warf sich schließlich in die Brust, ein paar Worte des Prinzen Friedrich von den aristokratischen Grundsätzen deklamierend, die an Stelle des jämmerlichen, krämerhaften, modernen Pöbelregimes gesetzt werden müßten. Sie hatte eine Unterredung mit dem Landshuter Prinzen. Der erklärte ihr schlank, kühl, höflich, hochmütig, seines Wissens sei Herzog Meinhard mündig. Es stehe bei ihm, wem er sein Siegel anvertrauen wolle. Ihr mütterlicher Rat werde stets gehört werden. Weiter kam sie nicht.

Überall stieß sie auf Agnes. Ihre Farben, ihre Sitten, ihre Launen, Moden, Neigungen gaben dem Hof sein Gesicht, bestimmten die Regierung des Landes.

Agnes machte der Herzogin den Besuch, den die Etikette verlangte. Schlank, schlicht saß sie vor der häßlichen, plumpen, geschminkten, prunkenden Margarete. Ihre tiefen blauen Augen lächelten höflich in selbstverständlichem Triumph in die erfüllten, dringlichen, drohenden der andern. Im Kamin brannte ein starkes Feuer, der Duft des verbrennenden Sandelholzes füllte den großen, dunkeln Raum.

„Sie leben jetzt immer in Bayern, Gräfin Agnes?“ fragte Margarete.

„Durchaus nicht, Frau Herzogin,“ erwiderte Agnes, und ihre etwas scharfe Stimme stach grell ab von der warmen, dunkeln Margaretes. „Ich beabsichtige schon in den nächsten Wochen nach Taufers zu gehen. Nötig freilich ist meine Gegenwart nicht. Ich habe tüchtige Beamte; auch hat Herr von Frauenberg die Liebenswürdigkeit, sich der Verwaltung meiner Güter anzunehmen.“

Die Herzogin betrachtete Agnes still und aufmerksam. Sie war ein klein wenig voller geworden; aber ihre Haut war ganz glatt. Sie saß leicht und elastisch; der Hals stieg zart und ohne Falte aus dem dunkeln Kleid. Die Verehrung all dieser Jugend war ihr offenbar ein feiner Jungbrunnen, besser als Bad und Schminke. So sicher und voll Sieg saß sie, daß kaum mehr Hohn um ihre schmalen Lippen war.

„Sie beschäftigen sich neuerdings viel mit Politik?“ fragte Margarete.