Er feixte: „Werden sehen, Hühnchen, werden sehen.“

Das hieß die gut gesichert, dachte er. Gut gesichert war er. Wenn er jetzt den Buben mit nach Tirol nahm, hielt er die Mutter durch den Jungen, den Jungen durch die Mutter. Er war der eigentliche Regent von Tirol. Ei ja, wenn man noch so häßlich war, was alles aus einem werden konnte mit einem bißchen Vernunft, Sachlichkeit, Glück.

In seiner breiten, behaglichen, munteren Art hetzte er weiter an dem Jungen. Lockte, stachelte, trieb. Nahm ihn gewalttätig in seine kurzen, roten Hände. Nach Tirol! Meinhard solle endlich nach Tirol, sich seiner Grafschaft zeigen. „Also Flucht?“ machte Meinhard, zaghaft. Ei was! Wer dachte an Flucht? Nur war es nicht nötig, zuviel Wesens aus dieser Reise zu machen. Man brach einfach auf, Meinhard, er, zwei, drei Knechte. Ohne große Worte. Es wurde zuviel geredet in Bayern und Tirol; das verwirrte die einfachsten Dinge. Ende der Woche reiste Prinz Friedrich nach Ingolstadt zu seinem Vater. Da wird man dann eben auch losreiten. Nach der umgekehrten Seite, nach Süden, nach Tirol. Das Murmeltier Peter soll seine Berge wiedersehen.

*

„Mein Sohn kommt, Schenna!“ sagte Margarete, und ihre dunkeln Augen waren lebendig erfüllt. Sie hatte einen Kurier von dem Frauenberger, er werde Meinhard bringen.

„Wie Sie sich freuen, Frau Herzogin!“ sagte der lange Herr, beugte sich vor, schaute sie aus seinen grauen, sehr alten Augen gut an. „Ich hatte nicht mehr gehofft, daß Sie sich so würden freuen können.“

Margarete hörte nicht. „Ich weiß,“ sagte sie, „er ist unbegabt. Es gibt landauf, landab Tausende, die begabter sind. Aber er ist mein Sohn. Er ist aus dem Boden dieses Landes gemacht, seiner Luft, seinen Bergen. Glauben Sie mir, Schenna, der sieht die Zwerge.“

Ja, Margarete hatte die zerlöcherte, heruntergelassene Fahne ihrer Hoffnung wieder hochgezogen. All ihr Wille, all ihr Leben sammelte sich in der Erwartung ihres Sohnes. Mit plumpen, geschminkten Händen streichelte sie das Bild des sanften, dicken, dümmlichen Jungen.

*

Ein Knecht voran, einer hinter ihnen, ritten Meinhard und der Frauenberger in raschem Trab gegen Süden. Es regnete, die schlechte Straße führte oft durch dicken Wald, löste sich streckenweise ganz in Schlamm auf. Es war nicht leicht, in der dunkeln, nassen Nacht den rechten Weg zu halten; an Fackeln war bei dem Regen nicht zu denken.