Die weiße Maus hatte einen Vater – die Mutter war in einer Falle verunglückt – Brüder, und zwei Schwestern. Sie hatte auch viele Freundinnen und natürlich sehr viele Freunde.

Aber sie durfte sie selten sehen. Der Vater hatte ihr genau vorgeschrieben, wo sie spazieren durfte: Dem Getäfel entlang, unten über den Fußboden, in den kleinen Schrank und unter das Sofa. Andere Wege sollte sie keine machen. Und bei Leibe nicht auf den Schreibtisch klettern, denn dort war das große Tintenfaß, und dem durfte keine weiße Maus zu nahe kommen.

Das Mäuschen gehorchte so lange es ihm möglich war. Dabei langweilte es sich aber unaussprechlich, immer mehr und mehr, und zuletzt konnte es die ungeheure Langeweile gar nicht mehr aushalten. Es mochte überhaupt nicht mehr ausgehen, blieb daheim und knusperte Zucker, weil es nichts Besseres zu tun wußte.

»Pst! Pst!« machte es eines Tages vor seinem Loch. Die weiße Maus hob ihren Kopf.

»Mäuschen, komm mit,« bat eine junge Ratte mit prachtvollem Schnurrbart. »Wir wollen ein wenig auf dem Schreibtisch spazieren gehen!«

»Ich darf nicht!« sagte das Mäuschen.

»Man darf manches nicht und tut es doch!«

»Aber der Vater!« sagte das Mäuschen.

»Weiß es nicht.«

»Die Brüder?«