»Nicht hübsch! Sie war doch sehr hübsch!«

»Der Geschmack ist verschieden,« sagte schnippisch die weiße Maus.

»Ja leider,« wisperte die Graue.

»Ich möchte eigentlich wissen, woher er die Mittel hatte, so großartig zu leben,« sagte der Vetter zu seinem Nachbarn; »er war doch nicht eigentlich reich.«

»Oho! Reich war er schon! Ganze Haufen Weizen lagen da und Kerzen und Speck. Wie er dazu kam, ist freilich eine andere Sache.«

»So, so! Aha! Ja, ich habe auch schon etwas munkeln hören.«

Mehr und immer mehr Trauernde waren gekommen. Arme Mäuse waren keine da. Aber viele Mäusevereinsvorsteher. Sie alle lobten den Verstorbenen, seinen wohlwollenden Sinn, seine Freigebigkeit. Die junge schöne Maus, die dort am Lager des Toten stand, hörte gar nicht mehr, was die vielen redeten. Alle hatten dasselbe gesagt, und allen hatten sie dasselbe geantwortet.

»Nun kann ich von unseren Vorräten nehmen, soviel ich will; es hat mir keiner mehr darein zu reden!« dachte sie. »Und geben kann ich davon, wem ich will!« Sie versank in Luftschlössern. Auch die kräftige braune Maus, die so schön an der Bahre gesprochen hatte, machte solche.

»Vielleicht wäre es ganz klug, wenn ich die Witwe heiratete. Dann ist all der Weizen mein.« Und die braune Maus drückte die Pfoten der verwitweten Maus und sah ihr mitleidig und bedeutungsvoll in die Augen.

»Verfügen Sie ganz über mich.«