»Ach, lieber Himmel, vor hundert Jahren vielleicht?« unterbrach er sie halb ärgerlich, halb belustigt.

Wera Petrowna griff resolut in das Kästchen und begann an Tomasows Statt, die Figuren auf dem Brett aufzustellen.

»Nun ja, das ist wahr: jetzt sind Sie bequem geworden,« gab sie zu, »— und ich will auch nichts Indiskretes ausplaudern über das, was mir allerlei kleine Fältchen um Ihren Mund da und um Ihre Augen bereitwillig zu verstehn geben. — — Aber: nun zum Beispiel eine Ehe mit einer Mustergattin, — dafür ist mitunter grade das russische Mädchen ein Prachtexemplar: liebevoll, heiter, nachgiebig, voll Tüchtigkeit und Tapferkeit —«

Tomasow nickte anerkennend.

»Schätze ich auch ungemein,« bestätigte er kurz.

»Und man sollte doch meinen, jemand wie Sie, der ganz gern herrscht, der müßte doch auch gern endlich sein eignes Haus um sich bauen, — sein Leben breit ausbauen mit so einer russischen Frau — von jener Sorte, der noch der Mann das Schicksal ist, das sie liebt, und dem sie gehorcht —«

»Ein schönes Glück!« bemerkte Tomasow spöttisch, »sein eignes Leben mit allen Unzulänglichkeiten und Defekten so festgenagelt zu sehen rund um sich, — ein Wesen darin mit einer Miene umhergehn zu sehen, als sei das nun wirklich das Paradies —. Nein, für den Reiz danke ich. Ich danke für die kleine Art der Männertyrannei. Leicht genug zu herrschen, wo nichts zu beherrschen ist. Wozu?«

»Sieh da! Sie können sich sogar selbst verspotten,« entgegnete die Alte beifällig. »Das wirft mir ein ganz neues Licht auf Sie. Da begreif ich zum Beispiel schon besser, daß Sie mal, in Ihrer Jugend Blüte, für eins von den kleinen heldenmütigen Mädchen geschwärmt haben, die hier und da aus lauter edelm Fanatismus in unsre entlegensten und verarmtesten Provinzen als Lehrerinnen abgehn. Wie sah die aus? Mager, sehr mager, blaß, mit großen enthusiastischen Augen —? — — Aber geheiratet haben Sie das kleine Mädchen doch nicht —.«

»Möchten Sie nicht vielleicht Ihre diesbezüglichen Meinungen lieber für sich behalten?« meinte Tomasow grob, aber er lächelte.

»Wenn es Ihnen besser behagt, — warum denn nicht?« sagte die Alte seelenruhig, »— ich spiele ja viel lieber Schach. — — Aber das reine Wohlwollen treibt mich — —, — es ist wirklich merkwürdig, wie reichhaltig Sie sind, ich kann mir so ganz verschiedenartige Frauen recht gut neben Ihnen vorstellen —. Ist das nun Reichtum, oder — oder ist irgend etwas nicht recht zum einheitlichen Ende gekommen —? — — Also spielen wir?«