»Ach so — —, am Ende — — selbst Patient —?«

Tomasow schaute zu ihr hinüber und runzelte merklich die Stirn.

Die Alte setzte ihr allerharmlosestes Gesicht auf.

»Nun, nichts für ungut. Mit bejahrten schwatzhaften Personen muß man Nachsicht üben, lieber Tomasow. — — Und wir Frauen sind nun mal so veranlagt, daß es uns immer nur von der Liebe zu singen und zu sagen drängt.«

Er mußte unwillkürlich lächeln, Wera Petrownas Worte und ihr Aeußeres bildeten einen zu heitern Kontrast. Mit ihrem alten energischen Gesicht und im fadenscheinigen weiten schwarzen Gewande, — dem ziemlich traurigen Produkt eigner Schneiderkunst, — in dem sie zu Hause umherging wie in einem Talar, sah sie einem herabgekommenen russischen Popen um vieles ähnlicher als einer Frau.

Vorhin, in der Eile, von seinem Besuch überrascht, hatte sie vergessen, ihre Alltagshaube aufzustülpen; der Ofenhitze wegen, die nichts zu wünschen übrig ließ, bedeckte sie ihr dünnes Haar am liebsten gar nicht, das, wie unter einem durchsichtigen Schleier, überall schon die Kopfhaut hell durchscheinen ließ und ihr jetzt hinten in traurigen kleinen Strähnen lose in den starken Nacken hing.

»Warum haben Sie eigentlich nicht geheiratet?« fragte Wera Petrowna plötzlich. Sie war aufgestanden, langte sich mit ausgestrecktem Arm ihre alte Tüllhaube von einem Nebentisch und that sie auf ihren Kopf wie eine Krone; »— schon längst hätten Sie das vollbringen können, — selbst im Auslande —«

»Einer Ausländerin würde es hier nicht behagt haben,« bemerkte Tomasow, eine Zigarette anzündend.

»Aha, — also gegeben hat es dort doch eine!« bemerkte sie mit weiblicher Logik und ließ sich auf ihren vorigen Platz nieder, — »nun, und hier —? — Auch hier wüßte ich mehr als ein Genre, das ganz gut für Sie gepaßt hätte.«

Wera Petrowna musterte dabei ihr Gegenüber mit hellen, etwas ironischen Augen sorgfältig prüfend, während sie den Rauch ihrer Zigarette in langen Ringeln von sich stieß. »— Ein Mann wie Sie —? Was wird denn den am heftigsten angezogen haben —,« sagte sie nachdenklich; »— nichts Naives natürlich, — etwas Pikantes. Möglicherweise irgend ein Typus der Frauen mit den Verführungskünsten —, die Frau als die große Verführerin und Lehrmeisterin auf schweres Lehrgeld, — möglicherweise überhaupt ein Leben, das mehr verführt als befriedigt — —. Wenn ich Sie mir so anschaue —«