»Ja, wie du das auch gleich sagst! Ich glaube wahrhaftig, Marianne, trotz deiner vielen Kenntnisse und Fähigkeiten, — nimm mirs nicht übel: aber es ist im Grunde das einzige, was du zu thun weißt. — Du sprachst von Inotschka: sag, glaubst du, daß sie den Pantoffel noch fertig stickt?«
»Der ist ja für dich, — weißt du?« rief Marianne.
»Eben darum, weil er für mich ist, kann ich mich nicht gut drum kümmern. Wenn sie ihn vertrödelt, — du verstehst, es ist mir nicht um den Pantoffel. Aber es wäre von übler Wirkung auf das Kind. Es gibt einem Kinde Selbstbewußtsein, seinerseits was zum Verschenken bereit zu haben. — Von solchen Dingen hängt mitunter der moralische Halt im spätern Leben ab.«
Marianne seufzte. Sie setzte den Kleinen auf den Schoß seiner Wärterin nieder und ging mit der Schwester hinaus.
Sollte sie nun Ottilie erzählen: »Sophie geht Ostern auch zum Studium ins Ausland?« — Würde Ottilie nicht fragen: »Was schenkt sie dir aber dafür wieder?« — Ja, — etwas Aehnliches würde sie fragen.
Wie konnte sie ihr das deutlich machen! Dieses Einssein mit den Kindern, dieses Mutterglück und diese drängende Hingebung in allen Fasern. Dieses Auskosten der vollen Liebe bis auf den letzten Tropfen. Denn jetzt waren sie zu Hause alle drei doch nur noch wie ein Mensch, — nun erst ganz unzertrennlich.
Marianne ging fort, ohne etwas von der großen Neuigkeit mitgeteilt zu haben.
Trotz ihrer Ungeduld, heimzukehren, entschloß sie sich noch zu einem weiten Umweg.
Sie benutzte eine Pferdebahn, die nahe bis zu Tamaras kleiner Wohnung im Vorstadtviertel heranfuhr. Tamaras Mann öffnete ihr, mit einem listigen und erwartungsvollen Gesicht, — er hatte seine Frau erwartet.
»Was, sie ist aus?« fragte Marianne stark enttäuscht, »ich muß sie so notwendig sprechen, und dachte sie zu dieser Stunde sicher zu treffen.«