»Ja, glücklicherweise ist sie fort, ich kann sie nämlich momentan gar nicht brauchen.«

Marianne bemerkte erst jetzt, wie er aussah. Im dicken Paletot, den Kragen hochgeschlagen, sogar warme Ueberschuhe an den Füßen, stand er da und rieb sich die Hände. In der That schien es kalt da drinnen zu sein.

»Was machen Sie eigentlich?! Frieren Sie vielleicht Ihre Vögel aus?«

»Ach nein, bei mir ist es warm. Wir müssen jetzt dort sitzen, zwischen den Vögeln, leider. Wir schlafen die paar Tage auch drin. Denn im Wohnzimmer, da wird jetzt nicht geheizt. Das ist wegen Weihnachten. Es soll nämlich wie ein Wald werden, — Tamara stammt doch aus dem Walde. Sie darf jetzt nicht herein.«

Er öffnete die Thür zur Wohnstube, und Marianne erblickte in drei von ihren Ecken je einen großen Tannenbaum. Eine Küchenlampe stand am Boden. In dem ungewissen Schein, den das Lämpchen von unten her verbreitete, nahm sich die Bescherung seltsam genug aus, die zwischen den Tannen im Aufbau begriffen war.

Da näherten sich, fast lebensgroß in bemalter Pappe ausgeführt, die heiligen drei Könige einer kleinen Korbwiege, deren blaue Vorhänge dicht geschlossen waren. Was die Weisen des Morgenlandes darbrachten, bestand aber nicht in Gold oder Juwelen, sondern in den winzigsten Hemdchen, Jäckchen und Strümpfchen, die man sich denken konnte.

Die Bäume waren nicht geschmückt. Nur an dem schönsten, der sich über der Wiege erhob, hing Kinderspielzeug, — Hampelmänner, Glöckchen an Knochengriffen — und, wie ein Hinweis auf die Zukunft, schon ein erstes, zartes Paar Schuhe, lächerlich klein, aus rotem weichem Saffian, mit silberner Stickerei bedeckt.

In der Anordnung des Ganzen drückte sich ein unbeholfener jubelnder Ueberschwang aus, der Marianne ergriff.

Sie wandte sich zu Taraß und sagte leise: »Ich wußte gar nicht — — Aber es ist noch lange hin —«

Er nickte.