»Lange noch bis dahin,« bestätigte er, »aber, wissen Sie, ich kenne ja Tamara. In diesen Monaten wird sie schon ungeduldig sein: wann sie das alles arbeiten soll, — ich bitte Sie, eine solche Menge! Und sie hat doch gar keine Zeit! Es mag ja schön sein, selbst daran zu nähen, nun aber, sie soll sehen: es geht auch so. Eine große Näherin ist sie überhaupt gar nicht. Sie sticht sich dreimal nacheinander in jeden Finger. Und allzufest näht sie auch nicht. — Aber eine Mutter wird das sein! Ja, das ist noch eine Mutter!«

Er sah strahlend aus und trat frierend von einem kalten Fuß auf den andern.

»Darf ich Tamara nichts ausrichten? Soll sie zu Ihnen kommen?«

»Nein nein,« wehrte Marianne hastig ab, »ich komme lieber selbst wieder. Sagen Sie ihr nur: ich sei wegen des Vorschlages gekommen, den sie mir neulich im Auftrag des Berner Mädchenpensionates gemacht habe. Sagen Sie ihr: den wollte ich annehmen. Auf alle Fälle annehmen. Sie möchte mir helfen, die Sache so schnell als möglich ins reine zu bringen.«

Taraß schlürfte in den Ueberschuhen ihr voran zur Hausthür.

»Dann wird Tamara gleich alle Hebel in Bewegung setzen. Ich weiß, sie sprach davon. Und wir sind so froh, wenn wir Ihnen zeigen können, wie lieb wir Sie haben.«

Er küßte Marianne die Hand, und sie beugte sich auf seine Stirn. Ihr kam es vor, als sei alles bereits erledigt. Sie zweifelte nicht am Gelingen. Es mußte gelingen. Und sie war zu jedem Opfer bereit, zu jedem Nebenverdienst durch Stunden —.

Nur mit ihrem Kind zusammenbleiben mußte sie. Dann wollten sie auch schon Cita näher bekommen, — mindestens näher als jetzt —.

Als sie sich wieder in die Pferdebahn setzte, schien es ihr, als führe sie schon weit, weit fort aus ihrem bisherigen, hiesigen Wirkungskreis.

Fast abschiednehmend spähte ihr Blick nach den einzelnen Häusern, die sie kannte. Da — und da, — und dort war sie zum Unterricht hingegangen. Nun aber wollte sie weit, weit fort, so weit wie ihre Kinder wollten.