Ma sagte sanft: »Nein, es ist kaum übertrieben. Das kann nur ich allein beurteilen. Es ist ja so alte, uralt gefestete Freundschaft. Sie stammt aus der allerersten Zeit meines Zurückkehrens hierher. Die Kinder waren damals sechs und sieben Jahr alt. Zähl selbst.«
»Ach ja, Marianne, das weiß ich. Aber das Wichtigste ist ja doch gewesen, daß er dir als Arzt aushalf. Daß er dir half, dein Leben genau zu regeln. Damals, als du dich gleich so schrecklich überanstrengtest. Und wenn er dir dann vielleicht auch noch manche gute Beziehungen verschafft hat —«
Ma machte eine leise abwehrende Handbewegung.
»Laß das,« bat sie, »was du da nennst, ist das ganz Aeußerliche. Und über das andre kann ich nicht sprechen. Nicht, ohne es zu profanieren.«
Tante Ottilie hatte ihr allerverschlossenstes Gesicht.
»Wirklich, Marianne, ich begreife manchmal gar nicht, wie du nur sprichst! Du, die so ungeheuer selbständig ihr Leben in die Hand genommen hat, — die sich mit solcher Energie und aus eigner Kraft behauptet hat, — wie sprichst du mitunter nur? Ganz wie irgend eine kleine unselbständige Frau, die andern alles verdankt, und der andre zu allem verhalfen. Nun, weißt du, wenn das so ist —«
»— Es ist so,« sagte Ma lächelnd.
»Ja, dann muß ich dir sagen: dann braucht sich auch unsereins neben dir gar nicht so gering vorzukommen, denn schließlich: unser Stück Arbeit thun wir auch im Leben.«
»Ja gewiß, du Liebe!« meinte Marianne, und sie lachte.
»Aber wir schwärmen nun einmal für Doktor Tomasow,« erklärte Sophie, im Drang, ihre Tante zu bekehren, »er ist ganz außerordentlich gescheit, mußt du wissen.«