Sie lief hinaus.
Tante Ottilie hatte sich bereits von ihrem Pferdejochstuhl erhoben.
»Aber liebe Ottilie! Du wirst doch nicht deshalb fortgehn —?«
»Gewiß nicht, meine gute Marianne; du vergißt nur, daß ich bloß auf einen Sprung kam und eilig bin, — auf ein andermal also,« sagte die Schwester etwas gezwungen und verabschiedete sich kaum merklich von Cita.
»Nun, wie du willst. Komm, laß uns durchs Wohnzimmer hinausgehn, — sieh, da könnten wir so gut plaudern, denn die Kinder, die schleppen jetzt unsern Doktor in den ›Spalt‹ hinein; ich wette, sie gießen ihm noch den kalten Kaffeerest ein.«
Den Arm um Ottiliens Schulter, ging Marianne langsam durch das Wohnzimmer, das nur durch eine Lampe mit dunkelgrüner Glaskuppel vom Schreibtisch her erhellt war. Die Thür zum »Spalt« hatte sie zugedrückt.
»— Nun —? Stört dich der Doktor hier nicht mehr?«
»Ach, an den dachte ich eben wahrhaftig nicht! Was mich drückt und erstaunt, ist etwas ganz andres —;« Ottilie blieb mitten im Zimmer stehn, und die Schwester groß anblickend, fügte sie mit betonter Langsamkeit hinzu: »Du läßt dir deine Töchter über den Kopf wachsen, meine arme Marianne.«
Marianne lachte leise und schelmisch, sie ergriff die Schwester am Arm und schüttelte sie in heiterm Zorn: »O du Böse, — du Böse! Kannst du denn nicht dem Mädel ein unachtsames Wort vergessen? Gewiß, sie hätt es nicht so sagen sollen. Aber treffen und verwunden kann unsereinen doch nicht dieser kleine schwache Pfeil —? Ein Pfeil aus solchen jugendlich heftigen, jugendlich übereifrigen Händen?«
»Du hättest es aber rügen müssen. Darum allein handelt es sich nur.«