Sie schwieg, doch ihre Augen widersprachen. Sie leuchteten in so ruhigem Glanz und wendeten sich unwillkürlich dem verschlossnen Rahmen auf dem Schreibtisch zu.
Da vernahm man von der Thür her Gelächter.
Die Mädchen kehrten zurück, jede mit einer vollgefüllten Tasse in der Hand. Den Blick starr auf ihre Tassen geheftet, deren Inhalt überzuschlagen drohte, näherten sie sich langsam und feierlich dem Schreibtisch, neben dem die Mutter auf ihrem gewohnten Lieblingsstuhle saß.
»Thee schmeckt bei weitem schöner und regt an, hat Ma stets gesagt,« behauptete Sophie.
»Kakao ist ihr bei weitem gesunder, hat Doktor Tomasow stets gesagt,« behauptete Cita, »— und zwischen dem Schönen und dem Guten, Nützlichen, wirst du doch nicht lange zaudern, Ma! Bedenke auch, welche schlechte Einwirkung ein böses Beispiel auf uns haben, könnte.«
»O du überredest, das ist gegen alle Abmachung!« rief Sophie voll Unwillen.
»Ein Jurist überredet nie genügend, Sophie! — Also: erst jedenfalls das Schöne, — und dann auch noch das Gute, Nützliche,« entschied die Mutter sofort und zog lachend alle beiden Tassen zu sich heran.
Cita hockte sich auf die Seitenlehne ihres Lutherstuhles.
»Du unmoralische Mutter!« sagte sie.
Hugo Lanz hatte sich beim Eintritt der Mädchen erhoben. Er sah ganz zerstreut aus. Ihm erschienen mit einemmal alle beide doch noch recht kindisch, ohne daß er ahnte, wie außerordentlich damit sein Urteil in der Richtung fehlging.